Aus dem Amerikanischen von Egbert Hörmann und Uta Goridis. Nach dem frühen Tod der Eltern wächst Stefan Brückmann bei Verwandten des Vaters auf und bereist mehrere europäische Länder, bis er verhaftet und nach Auschwitz deportiert wird. Er überlebt, wird aber nach dem Krieg erneut interniert, dieses Mal in einem amerikanischen Lager für "displaced persons". Dort lernt er Moon, einen ehemaligen GI kennen, der ihn adoptiert und mit dem er in die Vereinigten Staaten reist. Drei Jahre später beschließt Stefan Brückmann nach Europa zurückzukehren. Sein Weg führt ihn über mehrere Stationen schließlich nach Heidelberg, wo er studiert. Er verliebt sich in die Witwe eines begabten deutschen Lyrikers, der sich einige Zeit vorher das Leben genommen hat. Als seine Liebe nicht erwidert wird, begibt Brückmann sich auf die Suche nach seinen Wurzeln und seiner Identität.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2015
Mit gemischten Gefühlen bespricht Rezensent Tobias Döring Charles Haldemans Debütroman aus dem Jahre 1963. Gespannt liest der Kritiker erst den an eine Synthese aus Heinrich Böll und Jack Kerouac erinnernden zweiten Teil dieser Erzählung um einen Waisenjungen, der zunächst Auschwitz überlebt, später von seinem amerikanischen Retter missbraucht wird und schließlich in Paris und Heidelberg ein Leben zwischen Affären und Sinnsuche führt. Leider bedarf es laut Döring aber einiger Geduld, um sich bis zu diesen prägnanten, in der bundesrepublikanischen Übergangsgesellschaft spielenden Episoden vorzuarbeiten. Zuvor quälte sich der Rezensent durch expressionistisch überladene Passagen, "sentenziöses Geschwurbel", pubertäre Sentimentalität und "KZ-Kitsch".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.06.2015
Dieses Buch ist eine Sensation, jubelt Rezensent Helmut Böttiger nach der Lektüre von Charles Haldemanns Roman "Der Sonnenwächter", und zwar in mehrerlei Hinsicht. Fassungslos vermerkt der Kritiker, dass Haldemann hierzulande vergessen ist -und das, obwohl sein 1963 erschienener Debütroman mit seinen mutigen Perspektivwechseln, seiner poetisch-assoziativen Sprache und seiner "avancierten" Konstruktion schon damals nahezu "unerhört" schien. Mit angehaltenem Atem liest Böttiger auch die Geschichte um den Roma-Jungen Stefan, der im KZ ein zartes homosexuelles Verhältnis beginnt, überlebt, in die USA emigriert und in den sechziger Jahren Teil der akademischen Boheme in Heidelberg wird. Nicht nur die Schilderung des KZ-Alltags erscheint dem Rezensenten derart progressiv, dass sie nur mit Imre Kertesz' "Roman eines Schicksallosen" zu vergleichen wäre, auch die hier angerissene, verschlüsselt beschriebene Liebesaffäre des Autors mit der Witwe des Schriftstellers Rainer Maria Gerhardt birgt explosives Potential, verrät Böttiger, für den dieses Buch schlichtweg ein "Geniestreich" ist.
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