"Die Mauer" und der "Grenzer" sind zu Synonymen für das Grenzregime der DDR geworden. Doch kann man überhaupt von "der Grenze" sprechen? Es gab die Grenzabschnitte entlang der Ostseeküste, die Mauer rund um West-Berlin, die innerdeutsche Grenze zur Bundesrepublik und die Grenze zu den "sozialistischen Bruderländern" Polen und CSSR, die jeweils einen unterschiedlichen Charakter hatten. Jochen Maurer stellt in diesem Buch erstmals drei Abschnitte des DDR-Grenzregimes - die innerdeutsche "grüne" Grenze (Grenzkommando Nord), die Berliner Mauer (Grenzkommando Mitte) und die "Friedensgrenze" zur CSSR - einander gegenüber.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2016
Nach der Lektüre von Jochen Maurers Studie über den "antifaschistischen Schutzwall" kann Joachim Scholtyseck das wenig wehrhafte Verhalten der DDR-Grenzer im November 1989 besser verstehen. Dass der Alltag am Todesstreifen alles andere als rosig war, es keinen Korpsgeist gab und die Paranoia der SED, Schießbefehl und dauernder Drill der Soldaten demoralisierend wirkte, wie der Autor erläutert, leuchtet ihm sofort ein. Was Maurer größtenteils in Form einer Milieustudie erarbeitet, meint der Rezensent, führt beim Leser über diesen Punkt hinaus allerdings nicht zu einem unguten Maß an Verständnis für das Menschenverachtende der Grenze und der SED-Herrschaft. Laut Rezensent liegt das an dem souveränen, dekonstruierenden Umgang des Autors mit den Mythen, etwa auch mit der Fiktion der Eintracht zwischen Grenzern und Grenzbevölkerung.
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