Christian Lübke

Die Deutschen und das europäische Mittelalter

Band 2: Das östliche Europa
Cover: Die Deutschen und das europäische Mittelalter
Siedler Verlag, München 2004
ISBN 9783886807604
Gebunden, 544 Seiten, 60,00 EUR

Klappentext

Mit der Wende von 1989 ist die ursprüngliche Vielgestaltigkeit des ehemals grauen "Ostblocks" wieder hervorgetreten, dessen Geschichtsraum nicht zuletzt durch seinen deutschen Anteil geprägt wurde. Weit jenseits der älteren Geringschätzung der slawischen Völker durch ihre deutschen Nachbarn und zugleich bahnbrechend in der Überwindung national begrenzter Geschichtsschreibung unternimmt der Band eine Gesamtschau, in der sich die Wurzeln der heutigen Völker und Staaten des östlichen Europa im Mittelalter offenbaren, als vor allem im zehnten Jahrhundert Polen, Tschechen und Ungarn wie auch Alt-Russland ihre Identitäten als Fürstenstaaten und Kulturen gewannen.
Die mittelalterliche Geschichte des weiten Landes im Osten Europas ist eine Geschichte der Bildung von Stämmen, Völkern und Nationen und ihrer Europäisierung. Es ist eine Geschichte, an der Kaiser und Päpste mitwirkten, kriegerische Wikinger und Tataren, christliche Missionare und Kreuzritter, wagemutige Fernhändler, Städtegründer und bäuerliche Kolonisten. Tapfere Fürsten und demütige Märtyrer, glorreiche Siege und vernichtende Niederlagen lieferten den Stoff für Legenden, die bis heute die historische Erinnerung der slawischen und baltischen Völker und der Ungarn prägen. Reichhaltig mit Abbildungen und Karten versehen, zeichnet der Band die Geschichte des gesamten Raumes zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, Donau und Wolga nach.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2004

Dieser Band von Christian Lübke, seit 1998 Inhaber des Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte in Greifswald, erscheint als zweiter Band von Siedlers vierteiliger Reihe zum Umfeld der Deutschen im Mittelalter, informiert uns Heiz Thomas. Der Rezensent lobt den Band insgesamt als "trefflich gelungene" Geschichte des östlichen Europas, und den Autor als vortrefflichen Erzähler - auch außerhalb seines Spezialgebietes. Außerdem lobt Thomas die umsichtige Auseinandersetzung Lübkes mit der Geschichte "mit politischen Sprengsätzen" geladener Begriffe wie "Ost-, Westmittel- und Ostmitteleuropa", seine Darstellung der "naturräumlichen" Voraussetzungen der Geschichte im behandelten Raum, der Bedeutung des Fernhandels für diese Weltregion und des Wettstreits verschiedener Reiche um den Einfluss und die Vorherrschaft in diesen Gebieten mit überwiegend slawischen, aber auch baltischen und finno-ugrischen Stämmen und Völkern.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.06.2004

Osteuropa historisch in den Griff zu bekommen, das sei eine alles andere als leichte Aufgabe, meint Michael Borgolte schon zu Beginn seiner Rezension. Während es im Westen immer Institutionen der Vereinheitlichung gegeben hat, wie das Heilige Römische Reich und den Papst, war der Zustand Osteuropas immer einer der Zersplitterung. Schon die Frage, wo man die Grenzen zieht, die geografischen (der Status Russlands) und auch die begrifflichen (sollte man lieber von "Ostmitteleuropa" reden?), ist kaum ein für allemal zu beantworten. Angesichts dieser Problem zieht sich Christian Lübke überaus achtbar aus der Affäre, findet Borgolte. Die "räumlichen und zeitlichen Beschränkungen", nämlich auf die Zeit zwischen dem 5. Jahrhundert (Auftauchen der Slawen) und dem Jahr 1386 (Christianisierung Litauens), seien sinnvoll, der Verzicht auf die Aufnahme von Byzanz und der "polnisch litauischen Union und des Moskauer Fürstentums" ebenso. Lübke weiß die Erkenntnisse der Archäologie wie der Ethnologie für seine chronologisch vorgehende Erzählung zu nutzen, lobt Borgolte. Ein "Glanzstück" sei die Darstellung der "akephalen, also fürstenlosen" politischen Organisation der frühen Slawen. Von kleinen Fehlern abgesehen beweist der Autor, so das ausdrückliche Lob des Rezensenten, in seiner Darstellung "Mut, Sachverstand und Augenmaß."

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