Moskaus westliche Rivalen
Eine europäische Geschichte vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2025
ISBN
9783608966183
Gebunden, 480 Seiten, 32,00
EUR
Klappentext
Warum greift Russland seine westlichen Nachbarn an? Was unterscheidet diese vom Moskauer Machtsystem? Europa wird oft über seine großen Mächte wahrgenommen, der russische Überfall auf die Ukraine hat jedoch eine neue politische Dynamik entfaltet: Der Norden, das Baltikum und Polen, unterstützen die Ukraine. Wie ist das zu erklären? Oliver Schmitt legt die geschichtlichen Erfahrungen von Norwegern, Schweden, Finnen, Esten, Letten, Litauern, Polen, Belarusen, Ukrainern und Moldauern frei, die seit Jahrhunderten Nachbarn Moskaus sind. Die Geschichte dieser Regionen wurde bisher nie umfassend im Zusammenhang geschrieben. Dabei vertreten diese Länder gegenüber Moskau in ihrer politischen Kultur das, was Europa heute ausmacht: Parlamente, Wahlen, Rechtstaatlichkeit und friedliche Widerständigkeit.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2026
Im Prinzip ist der Ansatz, den Oliver Jens Schmitt in dieser historiographischen Studie wählt, interessant, so Rezensent und Historiker Martin Schulze Wessel, allein das Ergebnis überzeugt nicht recht. Der Historiker Schmitt, bislang als Spezialist für Albanien und Rumänien bekannt, widmet sich diesmal einer ganzen Gruppe von Ländern, die die Tatsache vereint, dass sie Russlands Nachbarn und zunehmend auch von Russland bedroht sind. Zu fragen, wie so unterschiedliche Länder wie Finnland, Polen und Rumänien - das die Südgrenze dieser Studie markiert - auf Russland blicken, ist aller Ehre Wert und wissenschaftlich auf der Höhe der Zeit, findet Schmitt, nur leider bleibt es in diesem Fall bei einer Sammlung von Detailbeobachtungen, was fehlt, ist ein Blick fürs große Ganze. Wessel hat noch ein paar andere Kritikpunkte: Das Verhältnis der Sowjetunion zum Russland der vorrevolutionären Zeit wird von Schmitt widersprüchlich beschrieben, außerdem ergeht sich der Autor teils in wenig hilfreicher Kalter-Krieg-Rhetorik. Das Fazit fällt, dem eingangs artikulierten Interesse zum Trotz, letztlich klar negativ aus.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2026
Rezensent Ulrich M. Schmid entdeckt einige Einschätzungen im Buch des Osteuropahistorikers Oliver Jens Schmitt, die er nicht teilt. Allerdings erscheint ihm das marginal angesichts einer Darstellung, die laut Schmid unter Berücksichtigung wichtiger kultureller, politischer wie religiöser Aspekte endlich einmal die "Ränder des Moskauer Machtbereichs", das Baltikum, Polen, Rumänien, die Moldau in den Blick nimmt und in Bezug zum Aufstieg Moskaus setzt. So erfährt Schmid u.a., dass sich der Kosake Chmelnizki 1648 gegen den polnisch-litauischen König erhob und wie brutal Zar Peter I. im Baltikum vorging. Deutlich wird für den Rezensenten auch, dass nicht Putin allein die Verantwortung für den russischen Revanchismus trägt, sondern auch die liberale Opposition, zeigte sie doch selten Verständnis für die politische Eigenständigkeit der Gesellschaften vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer. Für Schmid ein großartiger Überblick, der die Forschung unbedingt bereichert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.12.2025
Rezensentin Renate Nimtz-Köster liest das umfangreiche Buch des Historikers Oliver Jens Schmitt über die an Russland grenzenden Länder mit Gewinn. Über Finnen, Balten, Moldauer, Polen und Skandinavier und ihre historischen Erfahrungen mit Russland hat sie selten so viel Wissenswertes gelesen. Vom Mittelalter bis heute reicht der Bogen, den der Autor mit erzählerischer Verve schlägt, so die Rezensentin begeistert. Überfordert scheint sie nicht, da Schmitt die Informationsfülle der Schauplätze, Personen, Kriege und Friedensschlüsse klar in Unterkapitel gliedert. Wie unsere Gegenwart von dieser Geschichte beeinflusst ist, versteht Nimtz-Köster nach der Lektüre besser, ebenso, inwieweit die Kirche die imperialen Machtansprüche Russlands stets unterstützte. Besonders der geschickte Widerstand Finnlands und die zentrale Bedeutung Litauens über Jahrhunderte sind für die Rezensentin überraschende Erkenntnisse der Lektüre.