Ostanatolien und die Nähe zum Kaukasus, der arabisch geprägte Süden, die Grenzen zum Iran und Irak: Christian Schüle ging dort auf die Suche nach der türkischen Seele, wo für die meisten die Türkei bereits zu Ende ist. Wochenlang hat er das geheimnisvolle Land bereist, über das so viele urteilen, obwohl es ihnen unbekannt ist. In den Dörfern im konservativen Inneren, auf den Hochplateaus der Berge, an den Süd-, Nord- und Westküsten traf er auf Menschen, die zwischen Atatürk und Allah ihrem Leben einen Sinn abringen. In Kappadokien begegnete er Hatice, der Tochter des Limonenhändlers, die mit fünfundzwanzig schon ihren vierten Freund hat, aber noch nie richtig geküßt wurde. In Trabzon erfuhr er, warum alle Huren Natascha heißen, und im weltberühmten Antakya, warum sich alle vor dem feinen Herrn Yurttas verbeugen. Er ließ sich vom Zufall durch ein faszinierend fremdes Reich leiten, das die Geburtsstätte der Bibel und die Wiege abendländischer Kultur ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.05.2007
Alexander Kissler vergleicht das Buch mit der "Deutschlandvermessung" desselben Autors und scheint froh, dass die "große Geste vom Ich" diesmal nicht von einem mokanten Ton begleitet wird. Deutlich besser gefällt Kissler Christian Schüles hier erprobte Offenheit und Bereitschaft, sich bei der Erkundung der Türkei dem Zufall zu überlassen. Kissler folgt dem Autor in "hässliche Dörfer" und zu "zahllosen Atatürk-Monumenten" und stellt fest, dass sich die schönen Seiten dieses Landes nicht ohne weiteres enthüllen. Weil Schüles Beobachtungen eher "leise" daherkommen, fällt Kissler das "laute Fazit" von der Unvereinbarkeit der Türkei mit Europa wiederum eher unangenehm auf.
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