Christiane Kunst

Livia

Macht und Intrigen am Hof des Augustus
Cover: Livia
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2008
ISBN 9783608942286
Gebunden, 340 Seiten, 24,50 EUR

Klappentext

Livia Drusilla (58 v. Chr. bis 29 n. Chr.) war 52 Jahre mit dem ersten römischen Kaiser Augustus verheiratet. Nach seinem Tod stand sie als Mutter des Kaisers Tiberius 15 Jahre im Zentrum der Macht. An ihrer Person vollzog sich die Rollendefinition der Herrscherfrau. Das war eine brisante politische Frage, denn faktisch konstituierte sich der römische Prinzipat als Monarchie, theoretisch beharrten seine Architekten auf der wiedererstandenen Bürgerrepublik. In dieser prekären Situation war kein Platz für die Existenz einer "Kaiserin", was den dynastisch-monarchischen Charakter des Systems offengelegt hätte. Dennoch erwuchsen der Frau des Kaisers besondere Aufgaben aus ihrer Nähe zum Herrscher, als Mutter künftiger Prinzen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.09.2008

Hans-Albrecht Koch preist die Biografie, die Christiane Kunst nun von Livia Drusilla, der Frau des Kaisers Augustus, vorgelegt hat, als echten Gewinn. Seit Theodor Mommsen sehe man Livia, die "kalte Schönheit", in einem günstigen Licht, die Potsdamer Althistorikerin stelle dem nun eine sehr "differenzierte" Lebensbeschreibung gegenüber, so der Rezensent angetan. Besonders scheint es ihn zu befriedigen, dass Kunst der Kriminaltheorie, die Rolf Hochhuth in einer "durchaus nicht fiktional gemeinten" Erzählung über die intriganten Bemühungen der Kaiserin, den Sohn aus erster Ehe als Nachfolger des Augustus auf den Thron zu bringen, fundierte Argumente entgegenstellt. Dem interessanten Umstand, dass es Livia nach Augustus' Tod gelang, sich als Mutter des neuen Kaisers eine wichtige ideologische Rolle im Staat zu erhalten, werde in der Biografie ebenfalls viel Aufmerksamkeit geschenkt, stellt Koch eingenommen fest. Ein gelungenes Porträt einer klugen, zupackenden Frau, deren vorrangige Eigenschaft wohl die Unberechenbarkeit war, lobt ein sehr zufriedener Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.08.2008

Ganz schön nah, die Antike, wundert sich die Rezensentin angesichts von Christiane Kunsts Versuch, das Leben Livias, der Gattin des Augustus, als "Höhere-Töchter-Schicksal" zu erzählen. Das taugte auch für eine Daily Soap, findet Judith von Sternburg und meint damit nicht nur die hier verhandelten Themen wie Bildung für Mädchen, Schönheit, Jungfräulichkeit, sondern ebenso die Kurzweiligkeit des Bandes. Wenn Sternburg am Ende viel über die Frau um das Jahr 0 herum erfahren hat, die Gestalt der Livia aber eher blass geblieben ist, zieht die Rezensentin daraus ihre eigenen Schlüsse: Die schwierige Quellenlage ist das eine, das andere aber, so legt Sternburg nahe, betrifft die lange "Anti-Livia-Geschichtsschreibung" und unsere Vorurteile.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.03.2008

Aloys Winterling ist mit dieser neuen Biografie der Kaiserin Livia von Christiane Kunst alles andere als glücklich. Zunächst erkennt er die Schwierigkeiten an, über das Wirken der mächtigsten Frau des Römischen Reichs an der Seite des Kaisers Augustus gesicherte Erkenntnisse zu erlangen. So werde Livia von den antiken Geschichtsschreibern zwar erwähnt, aber fast ausschließlich als "bösartige Intrigantin" wahrgenommen worden, ein Bild, dem auch in der neueren Forschung so mancher gefolgt sei, erklärt Winterling. Die Autorin versucht nun ein Bild von der Kaiserin zu zeichnen, indem sie die sozialen und politischen Verhältnisse der Zeit untersucht und über die Erziehung der Mädchen, Sexualität, das Kinderkriegen oder das Prinzipat informiert. Darin bietet Kunst allerdings überwiegend Bekanntes und wendet die daraus gewonnenen Erkenntnisse auch nicht auf Livias Leben und Wirken an, kritisiert der Rezensent. Was er insbesondere vermisst, ist eine genaue Analyse der Bedingungen am Hof, wie es ihm der Untertitel versprach. Und so bleibt das Bild, das die Autorin von ihrer Protagonistin zeichnet, auch überwiegend undeutlich und widersprüchlich.

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