Marcello Piacentini (1881-1960) gilt als der einflussreichste italienische Architekt des frühen 20. Jahrhunderts. Seine Piazza della Vittoria in Brescia, die Via Roma in Turin oder der römische Stadtteil EUR wurden zu Ikonen des architektonischen Städtebaus. Trotzdem ist Piacentini in Deutschland - wenn überhaupt - nur als "Architekt Mussolinis" bekannt. Christine Beese zeigt in ihrer Studie, dass es sich lohnt, den "Dämonen" der italienischen Architekturgeschichte genauer zu betrachten. Denn trotz aller nationalistischen Rhetorik entwickelte Piacentini seine städtebaulichen Positionen im Kontext internationaler Leitbilder.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2016
Michael Mönninger ist letztlich enttäuscht von Christine Beeses Dissertation über den einflussreichen italienischen Architekten Marcello Piacentini. Gern hätte er erfahren, ob und inwieweit Piacentini und die politische Physiognomie des Faschismus unter Mussolini Hand in Hand gingen. Leider bietet ihm die Autorin in dieser Hinsicht nichts Aufschlussreiches. Auch wenn Beese den werkmonografischen Teil gut bedient, wie Mönninger einräumt, was den Kontakt des Architekten zum Duce angeht, aber auch betreffend Piacentinis Städteverständnis bleibt sie für ihn zu vage bzw. "tantenhaft" beschaulich. Ob Piacentini nun ein Architekt des Faschismus war oder nicht, vermag Mönninger nach der Lektüre nicht zu sagen.
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