Es ist ihr Lebensbericht, den Elisabeth einem jungen Arzt erzählt. Sie ist erst siebenundzwanzig. Früh war der Vater gestorben und die Kindheit nach dem Ersten Weltkrieg in dem kleinen Dorf in Deutschland voll Entbehrungen. Die Mutter ist eine schweigsame und strenge Frau. Erst viele Jahre später, kurz vor ihrem Tod, wird Elisabeth ihr nahe sein. Aus dem Kind reift eine selbstbewusste Frau heran, die ihr Leben trotz vieler Schicksalsschläge zu meistern versteht. Bei einem Urlaub in der Ostmark lernt sie ihren Mann kennen und lieben. Doch der Krieg Nazideutschlands setzt dem Glück ein jähes Ende. In ihrem Schmerz begeht Elisabeth einen Akt des Widerstandes, der ihr einzig richtig erscheint.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.01.2007
Der Rezensent Florian Welle kommt zu einem gemischten Fazit zu Christine Haideggers Roman "Fremde Mutter". Einerseits scheint ihn die Geschichte einer Frau, die von den Nazis aufgrund ihres emotionalen und politischen Reifeprozess - sie protestiert gegen den Krieg - für geistig behindert erklärt wird, zu berühren. Welle findet auch die Schilderung des täglichen Lebens "kenntnisreich". Zudem überzeugt ihn, wie ihre persönliche Entwicklung, "das langsame Herauswachsen eines Mädchens aus seinem Milieu", geschildert wird. Andererseits stört den Rezensenten, dass das Buch zu "vage" bleibt und man kaum erfährt, was Haideggers Protagonisten wirklich umtreibt. Man erfahre beispielsweise nie, "welche Bücher Elisabeth liest". Und richtig kritikwürdig findet Welle die "erzähltechnische Anlage" der Geschichte, da die dazu führt, dass man als Leser einem Monolog der Hauptperson folgt, ohne eine andere Perspektive durch den Arzt, der sie ausfragt, zu bekommen.
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