Der neue Roman von Elisabeth Reichart erzählt die Kindheit eines Mädchens, das Mitte der 1950er Jahre in der Voest-Siedlung an der Donau aufwächst, dem Wohnviertel, das für die Mitarbeiter der Voest-Werke gebaut wurde. In ihrer magischen Welt entflieht das Kind der Realität, bis es vom tristen Alltag und der Vergangenheit eingeholt wird. Aus seiner Perspektive erfährt man von der inneren Befindlichkeit der aufwachsenden jungen Generation, aber auch von der Verzweiflung derjenigen, die ihre Jugend im Nationalsozialismus verbringen mussten, der Elterngeneration.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.02.2012
Mit ihrem Roman "Die Voest-Kinder" schreibt Elisabeth Reichart einmal mehr gegen das Schweigen und Vergessen an, meint Ingeborg Waldinger eingenommen. Im Zentrum ihres Romans steht ein namenloses "Voest-Kind", Tochter eines Angestellten der Vereinigten Österreichischen Eisen- und Stahlwerke (Voest), die während des Nationalsozialismus Zwangsarbeiter und Häftlinge des KZ Mauthausen für sich arbeiten ließen. Reichart erzählt von der Kindheit in den 1950er und 60er Jahren, der Verdrängung der NS-Zeit und der autoritären Macht des Vaters, vor denen sich das Kind in märchenhafte Phantasiewelten flüchtet, erklärt die Rezensentin. Wenn die österreichische Autorin von der Freundschaft des Mädchens zu einem Zigeuner-Jungen erzählt, umschifft sie nur knapp die Klippen des "Sozialkitsches", muss Waldinger allerdings zugeben. Doch insgesamt zeigt sie sich eingenommen und beeindruckt von Reicharts Versuch, dem Machtinstrument der Sprechverbote und Floskeln eine weibliche Perspektive entgegenzusetzen und damit zum "Vehikel der Emanzipation" zu machen.
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