Mit dem Erfolg bei den Abgeordnetenhauswahlen in Berlin ist die Piratenpartei in Politik und Öffentlichkeit angekommen. Sind die Piraten nur ein Übergangsphänomen, das von der Schlafmützigkeit des Establishments profitiert, oder gibt es ein Potenzial für nachhaltige Verschiebungen im politischen Koordinatensystem? Bildet ein "digitaler Wertekanon" im Spannungsfeld von Offenheit, Dezentralität und Beteiligung die Basis für eine neue politische Arena? Oder sind Themen wie Urheberrecht, Datenschutz und Netzneutralität lediglich Modeerscheinungen? Werden mit Stilmitteln wie "radikale Transparenz" und "liquid democracy" neue Zugänge für Kooperation und Beteiligung in politischen Organisationen entwickelt?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2012
Mit heißer Nadel gestrickt findet Marie Katharina Wagner das Buch der Politikwissenschaftler Christoph Bieber und Claus Leggewie. Die Autoren wollen die gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen für den Erfolg der Piratenpartei untersuchen und versammeln zu diesem Zweck Autoren aus verschiedenen Bereichen. Einen Werber zum Beispiel, der laut Wagner eher wenig Interessantes zur Piraten-Farbe Orange mitzuteilen hat. Besser gefallen Wagner die Beiträge des Harvard-Professors Lawrence Lessing, der einen Vergleich der Piraten mit Occupy und Tea Party anstellt. Oder derjenige des Bloggers "mspro", der laut Wagner mitunter sehr realitätsfern über Plattformneutralität schreibt. Das Buch empfiehlt sie als Außenperspektive auf das Phänomen Piraten.
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