Christoph Butterwegge

Krise und Zukunft des Sozialstaats

Cover: Krise und Zukunft des Sozialstaats
VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005
ISBN 9783531148489
Kartoniert, 318 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Zweite, überarbeitete Auflage. Kaum jemand leugnet, dass sich der Sozialstaat in einer tiefen Krise befindet, aber ist es auch die Krise des Sozialstaates, oder wird dieser nur zum Hauptleidtragenden einer Entwicklung, deren Ursachen ganz woanders liegen? Um welche Sachfragen und Kontroversen es bei der Diskussion darüber geht, macht dieses Buch deutlich. Sein Verfasser stellt Zusammenhänge zwischen der Entwicklung des Weltmarktes ("Globalisierung"), dem demografischen Wandel sowie den Strategien einflussreicher Gruppen der Gesellschaft her und beleuchtet die Hintergründe der verschiedenen "Umbau"-Konzepte. Kernstück des Bandes ist eine kritische Bilanz der rot-grünen Sozialpolitik, die mit jener der Kohl-Regierungen verglichen und für ungeeignet erachtet wird, den Wohlfahrtsstaat als Jahrhundertprojekt zu retten. Abschließend erörtert der Autor bisher noch wenig beachtete Alternativen zur Sozialpolitik in Deutschland.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.04.2006

Angesichts der gegenwärtigen Debatten um die Gesundheitsreform ist Christoph Butterwegges Buch über den deutschen Sozialstaat "aktueller den je", stellt Jens Becker zufrieden fest. Der Autor bietet darin einen "profunden Überblick" über die historische Entwicklung des Sozialstaats vom Kaiserreich bis zu den Anfängen der Bundesrepublik, um dann die Kritik und die Veränderungen an den sozialen Sicherungssystemen seit den 70er Jahren in den Blick zu nehmen, erklärt der Rezensent. Insbesondere die "Methode" des Kölner Politologen, Kritiker und Befürworter des Sozialstaats gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen, findet Becker "sehr überzeugend", denn damit würde den Lesern die "Ideologieproduktion" vor Augen geführt, gegen die der Autor "empirische Fakten" ins Feld führt. In seiner Analyse demonstriert der Autor beeindruckend, dass der Abbau des Sozialstaats bereits seit 30 Jahren betrieben wird und er weist nach, dass ausgerechnet die Rot-Grüne Bundesregierung den Sozialabbau entschieden "verschärft" hat, so der Rezensent abschließend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.01.2006

Überzeugend findet Norbert Reuter dieses Plädoyer für den Sozialstaat von Christoph Butterwegge. Wie er berichtet, untersucht der Autor die Entwicklungen, die den Sozialstaat zum Sündenbock schlechthin stempeln. Butterwegge zeige, dass der Sozialstaat Wirtschafts- und Beschäftigungskrisen weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart verursacht hat. Sein Abbau nutze der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung nicht, sondern schade ihr. Das Hauptproblem des Sozialstaats sehe der Autor in einer "Sinnkrise des Sozialen", ausgelöst durch die Ausbreitung des neoliberalen Profitdenkens und der populären Kritik am Sozialstaat. Butterwegges Auseinandersetzung mit der Realität des Sozialstaats, den Reformen und den zugrunde liegenden Ideologien lobt Reuter als "engagiert". Deutlich werde dabei, dass der Sozialstaat zu einem großen Teil in einer "inszenierten Krise" (Thomas von Freyberg) steckt. "Dies zu erkennen ist nicht nur Gegenstand des Buches", resümiert der Rezensent, "sondern Voraussetzung und Teil seiner Zukunft."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.12.2005

Mit Zustimmung hat Rezensent Tim Engartner Christoph Butterwegges Buch über die "Krise und Zukunft des Sozialstaates" gelesen. Das Plädoyer des Politikwissenschaftlers gegen den mächtigen neoliberalen Konsens in Politik und Medien für soziale Gerechtigkeit und die Erhaltung des Sozialstaates hat Engartner überzeugt. Er lobt seine Untersuchung der sozialen Sicherungssysteme vom Kaiserreich bis zum Abbau des Sozialstaates unter Rot-Grün als "fakten- und facettenreich". Die partielle "Refeudalisierung der Arbeits-, Lebens- und Sozialbeziehungen" verstehe der Autor als "Rückfall in die Prämoderne" (Butterwegge). Eine der zentralen Thesen des Buchs sieht Engartner dann auch in der Feststellung, dass der Sozialstaat seit Mitte der 1970er-Jahre restrukturiert und demontiert wird, obwohl er weder Verursacher der Weltwirtschafts- und Beschäftigungskrise ist noch aus seinem Um- wie Abbau irgendein Nutzen für die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Entwicklung des Landes erwächst. Fazit des Rezensenten: ein Buch, das vor allem Neoliberale lesen sollten.

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