Wir alle wollen in einer Gesellschaft leben, in der es gerecht zugeht. Gerechtigkeit gilt in der westlichen Welt als das zentrale Kriterium der moralischen Legitimation politischer und sozialer Verfahrensweisen und Institutionen. Für alle Regelungsbereiche der Politik, für alle Institutionen, Instrumente und Verfahrensweisen politischen Handelns gilt, dass sie dem Anspruch nach gerecht sein müssen, um gerechtfertigt werden zu können. Soweit es den zentralen Stellenwert der Gerechtigkeit im Zusammenhang der Rechtfertigung politischen Handelns und gesellschaftlicher Institutionen betrifft, herrscht also Einigkeit, doch diese endet bald, wenn es um die Frage geht, wie eine gerechte Gesellschaft konkret aussehen soll: Dass Gerechtigkeit gefordert ist, ist völlig unstrittig - was Gerechtigkeit erfordert, ist dagegen höchst umstritten, und dies gilt in besonderer Weise für die Frage der gerechten Verteilung von Gütern, das heißt: das Problem der sozialen Gerechtigkeit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.09.2005
Die Einleitung, das erste und das letzte Kapitel dieses Buches kann man sich "getrost schenken", befindet Gert G. Wagner. Bleiben also netto 50 Seiten dieses Tagungsbandes der Hannoverschen Hannah-Arendt-Lectures zum Thema "Sozialstaat und Gerechtigkeit". Den Leser erwarten "solide philosophische Reflexionen" und ein bisschen Polemik von Heiner Geißler rund um die Kontroverse von Egalitarismus und Non-Egalitarismus. Während einige Beiträger dafür plädieren, der Staat solle für jeden Bürger eine gewisse "Anfangsausstattung" garantieren - und eine der Fragen lautet: Gehört das Telefon dazu? -, stehen die Non-Egalitaristen auf dem Standpunkt, eine "Gleichverteilung von Grundgütern" sei "überzogen und nicht praktikabel". Autoren sind unter anderen Gerhard Kuip, Susanne Boshammer und Angelika Krebs.
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