Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.10.2003
Ludger Lütkehaus begrüßt ein Buch zur rechten Zeit: Die tadellose Biografie des lange zu wenig gewürdigten Helmuth Plessner passe zur gegenwärtigen "Auferstehung der philosophischen Anthropologie". Der Autor Christoph Dejung habe noch bei Plessner studiert und beschreibe das Leben und Werk des Soziologen und Philosophen mit viel Sympathie, ohne sich aber unkritisch anzuschmiegen. Sein Buch, so Lütkehaus, "beeindruckt durch gründliche Recherche und umsichtige Darstellung". Plessner, erinnert der Rezensent, war der Philosoph des "kategorischen Konjunktivs", der die "exzentrische Positionalität" des Menschen mit Hilfe von Paradoxien begrifflich zu fassen suchte und "eine andere Fundierung der Anthropologie" jenseits des "Dualismus der cartesianischen Tradition von Körper und Geist" und, auf der anderen Seite, des Biologismus entwarf. Sein Biograf hat, wohl als Hommage an den exzentrischen Geist, die "geraden Kapitel den Werkinterpretationen gewidmet, die ungeraden dem Leben" - eine schöne Idee, wie Lütkehaus findet: "Ein langes, mäandrierendes, aus seiner Bahn gebrachtes, ein ex-zentrisches Leben findet so seine Form."
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