Christoph Möllers, Nils Weinberg

Öffentliche Kunstfreiheit

Cover: Öffentliche Kunstfreiheit
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518300909
Taschenbuch, 180 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Die Kunstlandschaft der Bundesrepublik ist wie kaum eine andere durch öffentliche Institutionen geprägt und durch staatliche Mittel finanziert. Politisch brisant wird diese Verschränkung von Staat und Kunst, wenn die geförderten Künstler und Institutionen Erwartungen der Öffentlichkeit erschüttern. Was darf der Staat etwa von Verfassungs wegen tun, wenn wie im Fall der documenta fifteen staatlich geförderte Kunst mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert wird? Christoph Möllers und Nils Weinberg entwickeln in diesem Buch die Grundsätze, nach denen sich die Kunstfreiheit im Dreieck von demokratischem Staat, öffentlicher Kulturinstitution und geförderten Künstlern entfalten kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.05.2026

"Bemerkenswert" sind die Gedanken, die sich der Jurist Christoph Möllers und Nils Weinberg in diesem Buch zum Thema Kunstfreiheit machen, befindet Rezensent Klaus Ferdinand Gärditz. Die Autoren stellen zunächst fest, dass Kunstfreiheit zunächst eine Freiheit des Einzelnen ist und auch rassistische und antisemitische Kunst schützt, zumindest solange diese nicht gegen das Strafrecht verstößt, was freilich nur sehr selten der Fall ist. Gleichzeitig habe der Staat nicht die Pflicht, rassistische und antisemitische Kunst zu fördern, er könne durchaus Gesetze erlassen, die bestimmte Formen des Kunstschaffens von der Förderung ausschließen. Dennoch ist es, legen die Autoren dar, gar nicht so einfach, Kunst durch externe Kriterien gesetzlich einzuschränken. Insgesamt orientiert sich die Argumentation der Autoren zur Kunstfreiheit, stellt Gärditz fest, an vergleichbaren Praktiken im Bereich der Wissenschaftsfreiheit. Ziemlich beeindruckt ist Gärditz davon, wie elegant Möllers und Weinberg das Instrumentarium des Rechtlichen nutzen, um sich einem viel diskutierten Thema zu nähern. Ein bisschen mehr Vertrauen in das Recht als eine Instanz, die das gesellschaftliche Miteinander regelt, scheint der Autor nach der Lektüre dieses außergewöhnlichen Buches jedenfalls zu haben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.04.2026

Rezensent Peter Richter kommt bei der Lektüre des juristischen Fachbuches, das der Berliner Rechtswissenschaftler Christoph Möllers zusammen mit Nils Weinberg verfasst hat, aus dem ungläubigen Staunen und Markieren im Text kaum heraus. Der Autor legt laut Richter seine "brisanten" Positionen zum Thema Kunstfreiheit dar und damit ein Standardwerk für KulturmangerInnen vor, das es in sich hat. Möllers' Thesen, wonach die Kunstfreiheit auch sogenannte antisemitische Kunst schützt, also der Staat es auch hinnehmen muss, dass solche Positionen im staatlich geförderten Kunstbetrieb auftauchen und kein Künstler neutral sein muss sowie die daraus abgeleitete Forderung, wieder stärker zwischen Person und Werk zu trennen und antisemitische Kunst kritisch zu begleiten, doch nicht zu verbieten, scheinen Richter mitten in eine aufgeheizte Debatte zu platzen. Besonders gut gefallen ihm jene Passagen, in denen Möllers und Weinberg mit Verve ideen- und sozialgeschichtlich argumentieren, anstatt sich an den tristen Kulturkämpfen unserer Zeit abzuarbeiten. 

Buch in der Debatte

9punkt 28.04.2026
Im Zweifel müssen es jüdische Gemeinden in Deutschland hinnehmen, dass antisemitische Kunst mit (ihren) Steuergelder finanziert wird, so zitiert Peter Richter den Juristen und Berater des "Weltoffen"-Papiers Christoph Möllers, der zu dem Thema zwei bisher nicht besprochene Bücher vorgelegt hat, in der SZ. "'Wir verlernen so langsam diesen Sprechakt, zu sagen: Das ist falsch und schlimm, aber wir erlauben trotzdem, dass es gesagt wird', sagt Möllers. Das entscheidende Stichwort lautet hier: Sprechakt. In Möllers' Büchern liest sich das nämlich so: 'Ein Ausgleich zwischen Kunstfreiheit und staatlicher Aufgabenwahrnehmung kann aber auch darin bestehen, dass staatliche Organe sich zu von ihnen ermöglichten künstlerischen Praktiken öffentlich kritisch verhalten, ohne sie zu untersagen.' Im Fall antisemitischer Exponate in öffentlich geförderten Ausstellungen seien die zuständigen Stellen durchaus befugt und aufgerufen, 'Antisemitismus beim Namen zu nennen'. Der Staat dürfe und müsse sich gegen bestimmte Positionen äußern, ohne in die eigentliche ästhetische Praxis einzugreifen. 'Dieses Nebeneinander von Sollen und Nichtdürfen ist auf den ersten Blick unbefriedigend', gibt Möllers zu: 'Es schont aber die Sphären beider Beteiligter.'" Dass Institutionsleiter sich auf "diskursives Dagegenhalten" beschränken müssen, findet Möllers auch nicht ganz befriedigend: "Er gibt zu, dass es nur ein 'sehr schwaches Mittel' ist, 'auf das ich gar nicht gekommen wäre, wenn ich nicht dieses lähmende Schweigen bei der Documenta 15 erlebt hätte'." Unser Resümee

Beliebte Bücher

Nelio Biedermann. Lázár - Roman . Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2025.Nelio Biedermann: Lázár
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…
Heike Geißler. Michaela Kohlhaas - Roman . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Heike Geißler: Michaela Kohlhaas
"Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem…
Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Petra Morsbach. Orion - Roman . Penguin Verlag, München, 2026.Petra Morsbach: Orion
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…