Lange galt die Weimarer Republik als ein von Anfang an hoffnungsloses demokratisches Experiment. Christoph Nonns Geschichte der Weimarer Zeit in Köln zeichnet ein anderes Bild. Hier wurden die Hypotheken aus Krieg und Revolution während der frühen 1920er-Jahre erfolgreich abgezahlt. Die Kölner*innen begrüßten die 'neue Zeit' der Republik. Bis zum Ende des Jahrzehnts genossen sie überwiegend die Annehmlichkeiten einer sich entwickelnden Konsumgesellschaft und den voranschreitenden Aufbau demokratischer Strukturen. Der ab 1930 einsetzende schleichende Untergang des demokratischen Kölns änderte dies und ist auch ein Lehrstück für heute. Auch der elfte Band der "Geschichte der Stadt Köln" ist reich bebildert, zeigt viele bisher ungesehene Fotografien, die die Weimarer Zeit in der Domstadt lebendig werden lassen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.04.2025
Begeistert bespricht Rezensent Joachim Käppner Christoph Nonns Buch über die Weimarer Zeit in Köln. Ein dickes geschichtswissenschaftliches Buch - und doch unterhaltend geschrieben, mit Blick auch auf das Alltagsleben der weniger reichen Leute, lobt Käppner, außerdem voller toller Anekdoten zum Beispiel zum Karneval, der, anders als man meinen könnte, noch 1933 keineswegs antisemitisch oder antifeministisch unterwegs war. Zwei wichtige Lehren zieht der Kritiker aus dem Buch: Zum einen zeigt sich, dass die Weimarer Republik keineswegs schicksalshaft dem Untergang geweiht war, noch 1929 wirkte sie ziemlich stabil; was allerdings, zum anderen, darauf verweist, dass Demokratien immer gefährdet sind, wie 1929 so auch heute. Auch über die Kulturpolitik, die Rolle von Bibliotheken und Kino erfährt der Rezensent hier allerhand. Zudem lernt er, dass die Weimarer Republik am Ende auch in Köln daran scheiterte, dass weite Teile der Bevölkerung der Politik nicht mehr vertrauten. Gerade mit Blick auf die Gegenwart ist das ein herausragendes Buch, schließt Käppner.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.02.2025
Interessiert liest sich Rezensent Oliver Jungen durch Christoph Nonns Darstellung der Geschichte Kölns während der Weimarer Republik. Die größeren überregionalen und nationalen Kontexte werden in diesem auf Zugänglichkeit achtenden Buch zwar nicht ignoriert, erfahren wir, der Fokus liegt jedoch klar auf lokalen und oft ziemlich idiosynkratischen Entwicklungen. Zu den behandelten Themen zählen laut Jungen Elektrifizierung, Unterhaltungskultur, Wirtschaftskrise und einiges mehr, man lernt etwas über die Besatzung durch die Briten in der frühen Phase der Weimarer Republik und auch über die rechtsoffene Zentrumspartei. Auch die Rolle Konrad Adenauers wird beleuchtet, fährt Jungen fort, wobei klargestellt wird, dass der damalige Oberbürgermeister die Modernisierung der Stadt zwar vorangetrieben hat, aber keineswegs, wie gelegentlich kolportiert, im Alleingang. Abschließend verweist Jungen mit Nonn auf das Ende der Weimarer Republik, das mit mangelndem Vertrauen in die Demokratie zu tun hatte; hier scheint der Rezensent gewisse Parallelen zu unserer Gegenwart auszumachen.
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