Wer ist schuld am Ersten Weltkrieg? Im Jahr 1918 wird die Frage immer drängender. Da erhält der Bestsellerautor Gustav Meyrink in seiner Villa am Starnberger See ein Angebot vom Auswärtigen Amt: Ob er - gegen gutes Honorar - bereit wäre, einen Roman zu schreiben, der den Freimaurern die Verantwortung für das Blutvergießen zuschiebt. Der ganz und gar unpatriotische Schriftsteller und Yogi kassiert den Vorschuss - und bringt sich damit in Teufels Küche.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2020
Rezensent Martin Halter liest den letzten Band von Christoph Poschenrieders Weltkriegstrilogie und erkennt, wie Fakten und Fiktion munter verschwimmen. Es geht um den Schriftsteller, Aufklärer, Spiritisten und Yogi Gustav Meyrink und einen dubiosen Auftrag, für die Nazis einen Propagandaroman zu schreiben. Im Zentrum steht laut Halter Meyrinks Ringen mit Moral und Geldnot. Wie der Autor sich als eine Art Ghostwriter in die Blockaden und Prokrastinationen der Figur hineinversetzt, findet Halter stark. Ein "feines" Lebensbild Meyrinks kommt dabei auch heraus, so der Rezensent, wenngleich das Buch für ihn weniger ein Roman als eine Sammlung von Porträts, Anekdoten und Betrachtungen ist.
Rezensentin Melanie Weidemüller findet Christoph Poschenrieders Roman über den Schriftsteller und Geisterseher Gustav Meyrink faszinierend. Wie der Autor in seiner Geschichte um Meyrinks Anwerbung durch die Nazis als Propagandaromanautor Fakten und Fiktion mischt, scheint ihr gekonnt und überzeugend, amüsant und stilistisch souverän. Die unruhige Atmosphäre im Vorfeld der Münchner Räterepublik und Meyrinks Schreibblockade vermag Poschenrieder laut Rezensentin durch die raffinierte Verbindung der Meyrink-Handlung mit der Darstellung von authentischem Archivmaterial wie Briefen, Notizen und Akten, sowie durch die Verzahnung der Zeitebenen zu vermitteln. Und plötzlich weiß die Rezensentin nicht mehr, ob sie noch dem über seinem Text schwitzenden Meyrink über die Schulter schaut oder dem Autor Poschenrieder, und das Buch ist zu einem postmodernen Versuch über das Romaneschreiben geworden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.11.2019
Kristina Maidt-Zinke freut sich über Christoph Poschenrieders Roman über eine ungewöhnliche Episode im Leben des Schriftstellers Gustav Meyrink. Schon der Umstand, dass der quecksilbrige, doch leider vergessene Meyrink dem Leser hier in Erinnerung gerufen wird, stößt bei der Rezensentin auf Wohlwollen. Die Geschichte um den Versuch des Auswärtigen Amts in Berlin, den Dandy-Schriftsteller gegen Ende des Ersten Weltkriegs für ein Pamphlet gegen die europäischen Freimaurer zu gewinnen, erzählt der Autor laut Rezensentin darüber hinaus mit verhaltener Ironie, Mut zur Lücke, spielerisch und spekulativ. Wie sich der Autor in die Bedrängnis Meyrinks hineinversetzt, den Freimaurern die Schuld am Ersten Weltkrieg zuzuschieben, findet sie beachtlich. Eine ungewöhnliche Hommage, freut sich Maidt-Zinke.
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