Sein gesamtes praktisches und theoretisches Schaffen widmete Albert Gessner (1868 - 1953) einem einzigen Thema: dem Wohnen. Seine Auseinandersetzung damit erfolgte in geradezu einzigartiger Weise umfassend und intensiv: "Vom Sofakissen zum Städtebau " von kunstgewerblichen Arbeiten über das Landhaus bis zum städtischen Mietshaus, vom kleinsten Detail der Wohnung bis zum Bebauungsplan und dem Bild eines ganzen Straßenzugs. In seinem Bekenntnis zum städtischen Wohnen und dem Finden einer bis heute geeigneten Form dafür erweist sich der Reformer durchaus als Visionär. Claudia Kromrei legt mit diesem Band eine zusammenhängende Untersuchung aller Bestandteile des baukünstlerischen Schaffens Gessners vor. Auf Grundlage seiner veröffentlichten Schriften insbesondere des Buchs "Das deutsche Miethaus", seiner Bauten und Projekte sowie seines erstmals zugänglichen schriftlichen Nachlasses stellt sie die spezifische Reform und Transformation des Typus Mietshaus und des städtischen Wohnungsbaus im beginnenden 20. Jahrhundert dar.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.04.2012
Dem Messel-Schüler Albert Gessner, der das städtische Mietshaus erneuerte und so um 1900 die städtische Architektur bereicherte, widmet die Architekturhistorikerin Claudia Kromrei eine Monografie. Michael Mönninger umreißt das Schaffen Gessners für uns und lobt die im Band enthaltenen Bauaufnahmen und die Quellenarbeit der Autorin, die ihm viele neue Kontexte erschließt (zu Corbusier etwa). Allerdings attestiert Mönninger Kromrei einen Mangel an kulturgeschichtlicher Sensibilität und eine hagiografische Tendenz. Ihr entgehe der Bruch, den Gessner personifiziere, zwischen gartenstädtischen Emanzipationsversprechen und antiurbanem Furor. Den von Mönninger erwarteten Beitrag zur Pathogenese des 20. Jahrhunderts leistet der Band nicht.
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