Der Band enthält Offes wichtigste Beiträge der letzten 20 Jahre zur Demokratietheorie. Darin geht es um die Herausforderungen einer "liberalen", auf autonomer Entscheidung beruhenden staatlichen Ordnung an individuelle und kollektive Akteure, aber auch darum, inwiefern die Demokratie selbst durch soziale Entwicklungen und durch institutionelle Schwächen herausgefordert und gefährdet ist. Die in der jeweiligen Originalsprache (Deutsch / Englisch) zusammengestellten Studien zeigen darüber hinaus, welche Optionen für institutionelle Neuerungen bestehen und welche Probleme der Versuch, Institutionen "neu zu bauen", birgt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2004
Der Politikwissenschaftler Claus Offe versucht in seiner wissenschaftlichen Arbeit, Erkenntnisziele, Fragestellungen und Methoden der Kritischen Theorie für das Fach "Politikwissenschaft" zu erschließen, berichtet Rezensent Stefan Fröhlich. So stelle er in seinem neuen Buch dem normativen Anspruch der freiheitlichen und pluralistischen Demokratie die kapitalistisch strukturierte, gesellschaftliche und politische Realität der Bundesrepublik gegenüber. Dabei gehe es ihm um die Herausforderungen der staatlichen Ordnung an individuelle und kollektive Akteure sowie um die Frage ihrer "inneren Aushöhlung" durch soziale Entwicklungen und institutionelle Schwächen. Von orthodoxen Marxisten unterscheiden sich Offes Ansätze nach Ansicht Fröhlichs dadurch, dass sie nicht den Anspruch erheben, die staatliche Ordnung zu entlarven und zu überwinden. Vielmehr wolle der Autor Optionen für Neuerungen zentraler Institutionen und Prozesse des politischen Systems der Bundesrepublik aufzeigen und zur demokratischen Emanzipation beitragen. Im Mittelpunkt der Beiträge sieht Fröhlich Offes Überlegungen zur Überwindung der Legitimationskrisen des Spätkapitalismus. Er hebt hervor, dass Offe dabei die Grenzen der Reformierbarkeit spätkapitalistischer Systeme aufzeigt.
Wie ist es in unserer Welt um die Demokratie bestellt? Hauke Brunkhorst hat bei Claus Offe Antworten gefunden, die keine Illusionen zulassen, wohl aber Hoffnung. Ein Großteil der Staaten sind heute Demokratien, aber darauf, so Offes Annahme, komme es heute nicht mehr an: Anders als früher sei nicht "Ausweitung" entscheidend, sondern die Qualität der Demokratie, und die schwankt. Man kann Demokratie nicht einfach globalisieren, da sie nach soziokulturellen Gegebenheiten verlangt, die nicht überall und jederzeit vorausgesetzt sind. Was also sichert den Bestand einer Demokratie von innen? Für Offe sind es nicht mehr allein die Institutionen der demokratischen Verfassung, die eine "ausgewogene Gewaltenteilung zwischen den Hauptakteuren Staat, Markt und Gemeinschaft" sichern können, sondern ein möglichst "dichtes Netz zivilrechtlicher Vereinbarungen". In diesem Punkt jedoch widerspricht ihm Brunkhorst. Denn indem er sich vom "normativen Grundgedanken" der Verfassung und damit von den Institutionen zur Sicherung der "Identität von Herrschenden und Beherrschten" abwende, untergrabe Offe den Boden dessen, was er beschützen wollen: den Egalitarismus.
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