Fünf der bedeutendsten Intellektuellen unserer Zeit ? Horst Afheldt, Jürgen Habermas, Axel Honneth, Claus Offe und Richard Sennett ? präsentieren in diesem Band ihre Überlegungen zur Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft an der Jahrtausendwende. Die Autoren verbindet die Frage nach den Entwicklungsperspektiven des spannungsreichen Verhältnisses von Politik und Wirtschaft. ? Die Beiträge gehen auf einen vom Institut für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen realisierten öffentlichen Vortragszyklus zurück, der grosse Resonanz gefunden hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.10.2000
Indira Gurbaxani kann diesem Buch nur wenig abgewinnen. Die Herausgeber vertreten hier die Ansicht, dass ethische Aspekte im Neoliberalismus eindeutig zu kurz kommen und die Wirtschaft zum "reinen Selbstzweck" verkommen ist, referiert die Rezensentin - und widerspricht vehement. Nicht nur, dass sie dieser Sichtweise ein "Schwarz-Weiß-Denken" bescheinigt, vielmehr sieht sie die sozialen Missstände nicht in der Schuld der Ökonomen, sondern stärker in dem Wunsch der Politiker, die nächsten Wahlen zu gewinnen. Dies gehe auf Kosten des "Wohls der Gesellschaft". Gurbaxani erinnert daran, dass nicht Ökonomen Entscheidungen treffen, sondern in erster Linie Politiker, die schließlich von "mündigen Bürgern" gewählt wurden. Davon abgesehen kritisiert die Rezensentin die als vorbildlich präsentierten Gesellschaftsformen (die "Stadtrepublik im alten Griechenland", die italienische Renaissance oder die "Anfänge der USA"), weil gerade dort die mündigen Bürger kaum etwas zu sagen hatten, sondern vor allem reiche Leute. Insgesamt bedauert die Rezensentin, dass hier kein "konstruktiver" Beitrag zur Wirtschaftsethik vorgelegt wurde, sondern vielmehr Vorurteile verstärkt werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.08.2000
Der Herausgeber Peter Ulrich sei einer der "profiliertesten Wirtschaftsethiker" im deutschsprachigen Raum, erklärt der Rezensent mit dem Kürzel "zyk.". Der St.Galler Wissenschaftler kritisiere die "Sachzwanglogik" und den Gerechtigkeitsmangel des Marktes und fordere politisches Gegenhandeln. Das Buch stellt nun Beiträge von Habermas, Offe, Honneth, Sennet und Afheldt vor, die den St.Galler "Ansatz der integrativen Wirtschaftsethik" theoretisch untermauern sollen. Allerdings sei das Vorwort der Herausgeber etwas schwammig geraten - zu viele Schlagwörter wie "Globalisierungsfalle" und "Kasinokapitalismus" und zu wenig wirtschaftliche Problemanalyse.
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