Eine fulminante Reise in ein versunkenes Land: Clemens Meyer betrachtet eine Büste Christa Wolfs, die vor ihm steht, und beginnt ein großes Gespräch mit der Verstorbenen über die Literatur der DDR, über die ungeheure Bedeutung, die das Lesen damals hatte, über die Visionen und Träume der Schriftsteller und wie sie Wirklichkeit werden sollten. Ist nicht schon der Titel seines ersten Romans "Als wir träumten" dem Werk Christa Wolfs entnommen? Wie viel in seinem Leben, seinem Schreiben verdankt Clemens Meyer der Literatur der DDR. Meyer erzählt in einem inneren Dialog mit Christa Wolf die Geschichte der Utopien in der Literatur. Und damit auch eine eigenwillige, subjektive, emphatische Geschichte der DDR-Literatur. Wie wurde er selbst zu dem, der er ist? Und wie wurde in den Jahren nach dem Mauerfall eine ganze Epoche der deutschen Literatur von Kritikern abgeräumt und dann von Publikum und Lesern beinahe vergessen? Eine Suche nach Antworten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.06.2023
Mitreißend findet Rezensent Arno Widmann den Enthusiasmus und die Verve, mit der sich Clemens Meyer in diesem Band nicht nur für Christa Wolf ins Zeug legt, sondern für die DDR-Literatur insgesamt. Das erscheint ihm insofern bemerkenswert, als Meyer nicht in DDR-Zeiten zu dieser Liebe kam, sondern erst nach ihrem Untergang. Widmann lässt sich gern von Meyer dazu ermuntern, noch einmal Hermann Kant aus dem Regal zu ziehen oder auch Werner Heuduczek und Erik Neutsch. Aber wenn er dann zu Wolfgang Hilbig greift, geht es ihm auf: Heute beklagen die Ostdeutschen, ihnen sei ihr Heimatgefühl genommen worden - bei Hilbig liest Widmann, wie ihnen das Heimatgefühl aufgezwungen wurde. Er bedankt sich bei Meyer für das Buch, das ihn zu den Gedankengängen dieser Kritik inspiriert hat.
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