Was heißt es heute, modern zu sein? Heinrich von Kleists "Das Erdbeben in Chili", Wilhelm Raabes "Zum wilden Mann", Gottfried Benns "Gehirne" - nie ist moderner geschrieben worden! Alle drei Texte waren zu ihrer Zeit Avantgarde und gehören heute zum Kanon. In diesem Band treffen sie auf die Gegenwart.Thomas Hettche hat ganz unterschiedliche Autorinnen und Autoren zu einer Re-Lektüre großer Literatur eingeladen, die zu ihrer Zeit mit sämtlichen Konventionen brach. Das Ziel: eine Bestandsaufnahme dessen, was es heute heißt, modern zu sein. Entstanden sind zwölf Essays, die uns Gelegenheit bieten, u.a. Monika Rinck, Durs Grünbein, Ingo Schulze, Felicitas Hoppe und Daniel Kehlmann dabei zuzusehen, wie sie in der Auseinandersetzung mit den Vorbildern ihr eigenes Schreiben reflektieren. In seinem Vorwort geht Thomas Hettche den überraschenden Verbindungen nach, die sich dabei ergeben und macht deutlich, was Erzählen zu allen Zeiten bedeutet hat. Der typographisch liebevoll gestaltete Band bietet zudem die kompletten Originaltexte von Kleist, Raabe und Benn, und erlaubt so eine vergleichende Lektüre.
In den zwölf Essays dieses Bandes, die unter anderen von Ingo Schulze, Durs Grünbein, Monika Rinck und Felicitas Hoppe verfasst wurden, geht es "um das Offenlegen ästhetischer Verfahren", mit denen Kleist, Raabe und Benn auf große Umbrüche reagiert haben, erzählt Rezensentin Wiebke Porombka. Die Moderne, die sich in diesen Texten offenbart, ist von einer Widersprüchlichkeit geprägt, die man aushalten muss, erkennt sie. Und auch wenn die Autoren manchmal eher ins Moralische ausweichen statt über ästhetische Techniken zu reflektieren, als "kleine Schule des Lesens" kann Porombka den Band allemal empfehlen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.2022
Rezensentin Susanne Klingenstein empfiehlt unbedingt den von Thomas Hettche herausgegebenen Band. Was einen literarischen Text ausmacht und was er uns geben kann, vermittelt der Band laut Klingenstein sowohl im Vorwort des Herausgebers als auch in den einzelnen Essays von Durs Grünbein bis Felicitas Hoppe zu Novellen von Kleist, Raabe und Benn. Regelrecht baff ist die Rezensentin, wenn Ulrich Peltzer sich analytisch Kleists Aussparungstechnik zuwendet oder Ingo Schulze eine Seminardebatte über Raabes "Zum wilden Mann" nachstellt. Auch wenn die Benn-Aufsätze für Klingenstein weniger ertragreich sind, wünscht sie diesem Buch gerade heute viele Leser und Leserinnen.
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