Die Mordserie des NSU hat Vorwürfe laut werden lassen, das Bundesamt für Verfassungsschutz sei von jeher 'auf dem rechten Auge blind'. Und das habe damit zu tun, dass die Behörde in ihrer Gründungsphase von Altnazis durchsetzt gewesen sei. Wie zutreffend ist dieses Urteil? Die Historiker Constantin Goschler und Michael Wala haben die ersten 25 Jahre des Bundesamtes für Verfassungsschutz erforscht und hatten dafür Zugang zu vielen bislang geheimen Akten. Nun lässt sich zum ersten Mal genauer einschätzen, wie viele Belastete es gab und welchen Einfluss sie in der Behörde hatten. Darüber hinaus beleuchtet dieses Buch die Handlungsspielräume des Verfassungsschutzes unter alliierter Kontrolle, seine Rolle im Kalten Krieg und bei der 'Inneren Sicherheit' sowie seine zahlreichen Skandale. Klar ist: Ebenso wie sich wandelte, was Politik und Verfassungsschutz als Bedrohung sahen, wurde die Behörde selbst in der Gesellschaft zunehmend als Bedrohung gesehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2015
Hans-Peter Schwarz hat Einwände gegen die von Constantin Goschler und Michael Wala besorgte Spurensuche nach NS-Personal beim Bundesamt für Verfassungsschutz. Zwar erkennt er die "uneingeschränkte" Offenheit und Unabhängigkeit der Autoren sowie ihre Fachkompetenz, findet die Quellengrundlage des Buches breit und die Schreibe der Autoren spannend. Doch hätte er sich gewünscht, die Autoren hätten Bezüge des BfV in die Politik stärker und systematischer herausgearbeitet. Vor allem die Perspektiven Gustav Heinemanns und Gerhard Schröders, Hermann Höcherls und Hans-Dietrich Genschers auf die Behörde wären für Schwarz interessant gewesen. Delikate Verbindungen in die Politik ahnt der Rezensent allemal. Besonders lesenswert wieder scheint dem Rezensenten der Schlussteil, in dem die Transformation des BfV in der Zeit der 68-er Bewegung skizziert werde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.10.2015
Rezensent Tanjev Schultz lobt die Arbeit der Historiker Constantin Goschler und Michael Wala, die in ihrem Buch "Keine neue Gestapo" der NS-Vergangenheit des Bundesamtes für Verfassungsschutz nachgehen. Dank der akribischen Aktenrecherche der Autoren erfährt der Kritiker hier, wieviele ehemalige Nazis in den ersten fünfundzwanzig Jahren beim Bundesamt unterkamen, liest aber auch interessiert nach, wie der Verfassungsschutz mit anderen Diensten konkurrierte oder die Amerikaner und die "Organisation Gehlen" das Bundesamt ausspionierten. Die Autoren erzählen nicht nur sachkundig, sondern auch spannend, schließt der Rezensent, der allerdings gern mehr über die Auswirkungen der Personalstruktur auf die operative Praxis erfahren hätte.
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