Benjamin Carter Hett, Michael Wala

Otto John

Patriot oder Verräter: Eine deutsche Biografie
Cover: Otto John
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2019
ISBN 9783498030308
Gebunden, 416 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Am 20. Juli 1954 taucht der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Ost-Berlin auf. Siebzehn Monate später kehrt Otto John in den Westen zurück und wird sofort als Überläufer verhaftet. Bis heute ist ungeklärt, ob John freiwillig in die DDR gegangen ist und dort Geheimnisverrat begangen hat. Benjamin Hett und Michael Wala schreiben die erste Biografie eines Mannes, der im Nationalsozialismus Teil des Widerstands war und in der Nachkriegszeit in Deutschland Karriere machte. Der Fall, ein spannender Spionagethriller aus dem Kalten Krieg, markiert gleichzeitig eine historische Wegmarke für das Land.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2019

In der entscheidenden Frage können auch die Autoren Benjamin Carter Hett und Michael Wala keine letzten Antworten liefern: Warum Otto John, der Chef des Bundesverfassungsschutzes, am 20. Juli 1954 West-Berlin verließ und erst eineinhalb Jahr später aus dem Osten zurückkehrte. Doch nach Ansicht des Rezensenten Helmut Müller Enbergs spricht einiges dafür, dass John nicht entführt worden war: Plausibel beschreiben ihm die beiden Autoren, dass John in seinem Amt im Grunde gescheitert war. Als einstiger Widerstandskämpfer kam er kaum gegen die Mitläufer und Altnazis in der Behörde an, seine Amtsführung war nicht gerade effektiv, und auch mit seinen Plänen, einen positiven Verfassungsschutz zu schaffen, hatte er sich nicht durchsetzen können. Für Müller-Enbergs klärt sich zumindest indirekt das Bild. Er sieht einen Mann, der vielleicht aus Naivität den Kontakt zu den Sowjets gesucht hatte und einsehen musste, dass einen schweren Fehler begangen hatte: "Aus seiner patriotischen Geste war ein Debakel geworden."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.07.2019

Rezensent Ralf Husemann bekommt mit dem Buch des Historikers Benjamin Carter Hett und des Geheimdienstexperten Michael Wala die erste "relativ klare" Darstellung über das Leben Otto Johns. Johns Weg vom Mitverschwörer des 20. Juli zum gegen alte Nazis zu Feld ziehenden Präsident des BfV können die Autoren ebenso nachzeichnen wie sie die Umstände von Johns rätselhafter Einreise in die DDR und seine jähe Rückkehr erklären können, und dies bei weiterhin schwieriger Aktenlage, lobt Husemann. Plausibler wird für den Rezensenten nicht nur die schillernde Gestalt Johns, sondern auch sein Scheitern in der autoritären Bundesrepublik. Für Husemann ein auch psychologisch überzeugend erzählter Politkrimi.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 16.07.2019

Die entscheidenden Antworten bekommt Rezensent Marcus Heumann auch nicht in dieser Biografie des Verfassungsschutzpräsidenten Otto John, der 1954 so spektakulär die Seiten wechselte, um nach eineinhalb Jahren in der DDR wieder in den Westen zurückzukehren. Was Johns Motive waren und welches Spiel die Stasi mit ihm spielte, können auch die Historiker Benjamin Carter Hett und Michael Wala nicht mit Gewissheit klären, aber Heumann attestiert ihnen, viel Hintergrundinformationen zusammenzutragen. Bemerkenswert scheint ihm vor allem die Verachtung zu sein, die dem ehemaligen Widerstandskämpfer John von seinen Kollegen im Verfassungsschutz entgegenschlug - er war umgeben von ehemaligen SS-Sturmbannführern, Abwehroffizieren und Gestapo-Männern. Heumann würde zu dem Fall gern mehr erfahren, etwa aus den immer noch unter Verschluss stehenden Akten von CIA und KGB. Bis dahin begnügt er sich mit dieser Biografie.

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