Dies ist die erste Geschichte eines westdeutschen Nachrichtendienstes, die auf Originalquellen beruht und sie auswertet und zitiert. Sie verlegt das bisherige Wissen um die Gründung eines Verfassungsschutzes in Deutschland drei Jahre vor: bis in die unmittelbare Nachkriegszeit. Die Gründung des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen hatte eine erhebliche Vorbildfunktion für die anderen Bundesländer und das Bundesamt für Verfassungsschutz. Alle wichtigen Grundkonstanten der neuen Behörden waren schon hier angelegt. Dazu gehören insbesondere die Anbindung an das jeweilige Innenministerium, die Aufgabengebiete und die Trennung von der Polizei. Weitere Schwerpunkte des Buches bilden die Interdependenzen zwischen Besatzungsmächten, Behörden und Nachkriegspolitikern, vor allem auch Remigranten, sowie die Struktur extremistischer Bewegungen und Parteien in der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.04.2005
Alles in allem zufrieden zeigt sich Rezensent Rudolf Morsey mit Wolfgang Buschforts Frühgeschichte des Verfassungsschutzes in der Bundesrepublik. Ausführlich referiert er Buschforts Darstellung von Gründung, Funktion und Arbeitsweise der Landesbehörde für Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen, die das Vorbild für den Aufbau anderer Landesämter und des Bundesamts für Verfassungsschutz bildete. Dabei betont er, dass Buschfort insgesamt zu einem für die Arbeit des Verfassungsschutzes positiven Urteil kommt. Störend findet Morsey die Unübersichtlichkeit der Darstellung infolge der detailliert beschriebenen Verästelungen extremistischer Vereinigungen und der Einzelbeobachtungen zahlreicher namenloser V-Leute. Einen Negativrekord stellt seines Erachtens das Personenverzeichnis dar: "kaum eine Seitenangabe" stimme darin, Vornamen und Doktortitel seien "willkürlich" gesetzt, und "eine ganze Reihe" von Namen fehlten, während andere "gleich doppelt" erscheinen.
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