Der Sammelband stellt ein breites Spektrum historischer und aktueller Erscheinungsformen von Antisemitismus seit dem ausgehenden Osmanischen Reich bis in die gegenwärtige Türkei vor. Er umfasst Perspektiven verschiedener Wissenschaftsdisziplinen ebenso wie Erfahrungsberichte von Aktivistinnen und Aktivisten, die sich gegen Antisemitismus in der Türkei engagieren. Besonderes Augenmerk des Bandes gilt den Bezügen zur Gegenwart in der Türkei sowie zur Situation in der Bundesrepublik.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.01.2024
Rezensent Volker Weiß findet im von Corry Guttstadt herausgegebenen Sammelband über türkisch-islamischen Antisemitismus ein Glanzstück "politischer Bildung". Denn wie darin über tief verwurzelte antisemitische Mythen aufgeklärt wird, die sich bis heute hartnäckig halten und sogar immer noch über Zeitungsbeilagen oder Bücher verbreitet werden, und wie dies mit dem politischen Islam zusammenhängt, darüber geben die knappen Texte, ergänzt durch Bildmaterial und Infoboxen, auf übersichtliche Weise Aufschluss, lobt Weiß. So gehe es in der von den Texten abgedeckten Zeitspanne vom Zerfall des Osmanischen Reichs bis zur Gegenwart etwa um Ähnlichkeiten der türkisch-osmanischen Geschichte zur christlich-europäischen, darum, dass auch der Ziehvater von Erdoğan der antisemitischen Wahnvorstellung einer "jüdischen Weltherrschaft" verfallen war, um die rechtsextreme Jugendgruppe Mücadele Birliği (MB) während des Kalten Krieges, oder um die Verherrlichung des "radikal-islamischen" und antisemitischen Schriftstellers Necip Fazil Kisakürek. Ein vielseitiges und informatives "Panorama" zu diesem brandaktuellen Thema, das Weiß zur Orientierung in diesen Weltanschauungen wärmstens empfiehlt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.01.2024
Rezensent Volker Weiß erkennt nach der Lektüre des von Cornelia Guttstadt herausgegebenen Sammelbands zahlreiche Parallelen zwischen dem türkischen und dem westeuropäischen Antisemitismus. Hier wie da, so legen die 30 Beiträge laut Rezensent offen, existiert der Judenhass in diversen Formen, religiösen wie weltlichen, und ähnlich wie in Deutschland haben seine modernen Ausprägungen viel zu tun mit Modernisierungsproblemen. So wurden, schreibt Weiß im Anschluss an Guttstadts Band, schon die Jungtürken 1908 als verkappte Zionisten beschimpft, und auch auf Seiten der Revolutionäre grassierten antisemitische Verschwörungstheorien. Heute wiederum, so fährt die die Argumentation laut Weiß fort, nähern sich Nationalisten und Religiöse unter anderem über den gemeinsamen Nenner Antisemitismus an. Weiß zählt einige im Buch dargestellte Akteure des türkischen Antisemitismus auf, unter anderem Erdoğans geistigen Vater Necmettin Erbakan und den Schriftsteller Schriftsteller Necip Fazıl Kısakürek. Klar und anschaulich geschrieben und außerdem um hilfreiche Illustrationen ergänzt, sind die Essays, lobt der Rezensent. Eine Veröffentlichung, die der Versachlichung einer aufgeheizten Diskussion zuarbeitet, so das Fazit.
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