Woher kommt, wohin treibt die Türkei? Vom europäischen Istanbul bis ins wilde Kurdistan ist Necla Kelek gereist, an traumhaften Küsten und durch die majestätische Bergwelt Anatoliens, und hat ein Land vorgefunden, dessen Geschichtsträchtigkeit und Schönheit sich kaum ein Reisender entziehen kann; die Bewohner des einstigen osmanischen Weltreichs aber wirken seltsam unbehaust, heimatlos, als trieben sie auf einem Floß durch eine ihnen fremde Welt. In Ankara erlebt Necla Kelek, wie ihr Lieblingsonkel, ein Mann der Republik, zu Grabe getragen wird und mit ihm die Vorstellung, aus der Türkei ein Land im Geiste Europas zu formen. "Wir sind mit der Geschichte im Reinen", verkündet Präsident Gül. "Unsere Religion ist ohne Fehler", sagt Ministerpräsident Erdogan. Bis heute ist der Genozid an den Armeniern ein Tabu, immer noch verbergen sich Christen hinter Mauern, um ihren Glauben leben zu können. Vom Selbstbehauptungswillen der alten Eliten erzählt Keleks Begegnung mit einem Militär, vom Aufstieg der neuen Macht ihr Besuch beim Amt für Religion, einer milliardenschweren "Missionsbehörde".
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 15.10.2008
Wahrlich keinen geneigten Leser findet Necla Keleks Bericht über ihre Türkeireise in Jürgen Gottschlich. Interessant findet er Keleks Ausführungen allenfalls dann, wenn die Autorin autobiografisch vorgeht und über die Türkei ihrer Kindheit berichtet. Doch dies tut sie für den Geschmack des Rezensenten viel zu wenig. Stattdessen trete sie ein Programm an, das jeder Besucher-Delegation Ehre machen würde, beklagt Gottschlich: Frauenorganisationen, christliche Gemeinden, entführte deutschtürkische Bräute, dazu Ausführungen über Ehrenmorde, das Kurdenproblem und die AKP - all das empfindet der Rezensent als wenig originell und ärgerlich unterkomplex. Keleks Ausführungen zeigen nach Gottschlichs Ansicht, dass sie keineswegs eine Insiderin sei, sondern von "weit außen auf die Türkei" blicke. Ihr gehe es lediglich darum, die Türkei als rückständig und Europa mit dem "Pathos der Konvertitin" als weit überlegen darzustellen, wirft ihr Gottschlich vor.
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