Aus dem Italienischen von Gudrun Jäger. Die Hoffnung der Frauen auf Liebe ist, so scheint es, durch nichts zu erschüttern. Doch wird sie oft herbe enttäuscht. In acht Geschichten erzählt Dacia Maraini von Frauen, die von der Liebe träumen und sich spät - zu spät - gegen Übergriffe wehren. Ihr Umfeld bietet ihnen wenig Hilfe. Die Strukturen begünstigen die alten Muster, und Krisen verschärfen das Problem. Wie jetzt in Europa: Allein 2013 sind in Italien 124 Frauen von ihren Partnern, Ex-Partnern oder Liebhabern ermordet worden. Die Autorin möchte ihre Leserinnen und Leser aufrütteln. Schonungslos vermittelt sie bewegende Einblicke in eine häusliche Kultur, die zum Himmel schreit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2015
Acht virtuose Geschichten über gepeinigte Frauen hat Rezensentin Nicole Henneberg in dem neuen Erzählband der Feministin Dacia Maraini entdeckt. Mit großer Beklemmung liest die Kritikerin von meist einsamen und gutmütigen Frauen, die von ihrem Geliebten terrorisiert werden, von Vätern missbraucht oder zum Kindermodel abgerichtet werden oder von ihren Männern zu Tode geprügelt werden. Vor allem bewundert die Rezensentin das Talent der Autorin, in ihren politisch-aufklärerischen Geschichten zugleich nüchtern-sachlich und mit einfühlsamer Anteilnahme zu erzählen und ebenso leise wie schwierige Fragen zu stellen, die lange nachhallen.
Marc Reichwein ist bestürzt angesichts des Realismus in den Erzählungen von Dacia Maraini über Beziehungsdelikte zu Lasten der Frau. Da die Autorin ihre Eifersuchtskonstellationen zwar verschieden anlegt, aber die Opfer durchweg weiblich sind, fühlt sich Reichwein zunächst etwas zu deterministisch à la Aktenzeichen XY mit dem Thema konfrontiert. Doch das vergeht, und der Rezensent gewöhnt sich dran, wie auch an den notorisch düsteren Ausgang der Geschichten, die laut Reichwein übrigens tatsächlich auf Polizeiberichten basieren. Pädophilie, Schulhofgewalt - alles ziemlich deprimierend, meint er, wären da nicht diese Momente (der Innensicht), da Marainis Heldinnen eine enorme Präsenz entwickeln, eine echte Stimme erhalten und die Autorin der bürgerlichen Gesellschaft so eindringlich ihre hässliche Seite vorhält.
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