Aus dem Litauischen von Vytene Muschick. Mit einem Nachwort von Tomas Venclova. Nach der Annektion Litauens 1941 wird Dalia Grinkeviciute zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder von den Sowjets nach Sibirien deportiert. Ihre Jugendjahre verbringt sie in der Verbannung im Altai Gebiet und in der Arktis. 21-jährig gelingt Grinkeviciute die Flucht. Zurück in Litauen schreibt sie ihre Erinnerungen an die Verbannung in großer Eile auf lose Blätter und vergräbt sie aus Angst vor der Entdeckung durch den KGB in einem Einweckglas im Garten. Kurz darauf wird sie vom KGB verhaftet und erneut deportiert. Nach ihrer Entlassung bleiben die Erinnerungen verschollen, erst nach Dalia Grinkeviciutes Tod werden die Aufzeichnungen wie durch ein Wunder 1991 gefunden. Die lose Blattsammlung ist zu einem der wichtigsten Dokumente der litauischen Geschichte geworden und zeigt mit ungeheurer Sprachgewalt das Schicksal eines 14-jährigen Mädchens in der Verbannung auf.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2015
Regina Mönch zeigt sich erschüttert und sehr beeindruckt von Dalia Grinkeviviutes Bericht aus den Todeslagern Sibiriens. Dass dieser Text, dessen Manuskript eine irrwitzige Reise überstehen musste, überhaupt existiert, hält sie für ein Wunder, genau wie den Umstand, dass die litauische Verfasserin die Höllenfahrt in die tödliche Lagerwelt überlebte. Wie Grinkeviviute die Verzweiflung, ihre und die ihrer Gefährten, schildert, sprachlich stark, lebensklug, trocken und trotz allem mit Sinn für tragikomische Momente, scheint Mönch erstaunlich. Das Buch liest sie als Empörung und Selbstbehauptung gegen den Versuch der Auslöschung und als ein literarisches Dokument ohne Beispiel.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2014
Erschüttert berichtet Andreas Breitenstein von der Lektüre dieses Buches, das historisch-literarisch ein einzigartiges Dokument und in Litauen längst Pflichtlektüre sei. Es sind die Erinnerungen der 1927 geborenen Litauerin Dalia Grinkeviciute an ihre ihre Zeit in Sibirien, wo sie zwölf Jahre in der Verbannung leben musste. Nach der sowjetischen Besetzung Litauens wurde die Familie - wie die gesamte Elite des Landes - 1941 nach Sibirien deportiert; acht Jahre später flieht die junge Frau mit ihrer todkranken Mutter zurück nach Kaunas, wo sie ihre Erlebnisse niederschreibt und die Aufzeichnungen in einem Einweckglas versteckt. 1950 erneut verhaftet, wird sie zur Strafe noch einmal für vier Jahre in den Gulag geschickt. Die Originalaufzeichnungen wurden erst nach dem Tod ihrer Autorin 1991 wieder entdeckt, eine zweite Version hatte Grinkeviciute bereits 1988 in einer litauischen Zeitschrift veröffentlicht. Nicht nur die spannende Publikationsgeschichte macht Breitenstein fassungslos, ihn beeindruckt auf immens, welch "schöpferische Energien" die schrecklichen Erlebnisse bei Grinkeviciute freigesetzt haben.
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