Tomas Venclova

Der magnetische Norden

Gespräche mit Ellen Hinsey. Erinnerungen
Cover: Der magnetische Norden
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518426333
Gebunden, 652 Seiten, 36,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Claudia Sinnig. Er hat sie alle noch gekannt: Joseph Brodsky und Czeslaw Milosz ebenso wie Wislawa Szymborska, Anna Achmatowa, Boris Pasternak und die sowjetischen Dissidenten. Als Kind erlebte Tomas Venclova die Okkupation seiner Heimat - erst durch die Sowjets, dann durch die Nazis. Sein Hunger nach Welt war unstillbar: Er ging nach Leningrad, lernte Sprachen, befasste sich mit der modernen Poesie und geriet als Übersetzer und Dichter früh ins Visier des KGB. 1976 gehörte er zu den Mitbegründern der litauischen Helsinki-Gruppe für Menschenrechte. Während eines Aufenthaltes in den USA wurde ihm 1977 die sowjetische Staatsbürgerschaft entzogen. Er lehrte bis 2012 an der Yale University und lebt seit 1990 auf zwei Kontinenten - ein Emigrant, der am unabhängigen Litauen zu viel auszusetzen hatte, um in sein Heimatland zurückzukehren, und sein Exil als "Glücksfall" empfand.  In Gesprächen mit seiner Dichterkollegin und Übersetzerin Ellen Hinsey rekapituliert er sein Leben und lässt das 20. Jahrhundert wiederauferstehen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.08.2017

Judith Leister bewundert die stupende Bildung des litauischen Schriftstellers und Dissidenten Tomas Venclova. Dessen 600-seitiger Erinnerungsband spiegelt laut Leister die großen Linien der Geschichte in einer Schriftstellerbiografie. Hinzu kommen Schlaglichter auf die litauische Literatur und politische Ereignisse. Am meisten aber haben Leister die im Band festgehaltenen Begegnungen Venclovas mit Kollegen aus dem ehemaligen Ostblock berührt sowie Venclovas Schilderungen litauischer Verhältnisse.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2017

Rezensent Nico Bleutge liest mit diesem Buch des Lyrikers Tomas Venclova ein Erinnerungsbuch der besonderen Art. Auch wenn ihm die Fragen der amerikanischen Lyrikerin Ellen Hinsey an Venclova allzu gleichförmig erscheinen, ergeben die Antworten des Dichters laut Bleutge doch einen bemerkenswerten persönlichen Blick auf die historischen Entwicklungen in Litauen, von der sowjetischen Besatzung bis zur Ermordung der jüdischen Bevölkerung und zum Krieg, den Venclova aus Kindersicht schildert, wie Bleutge erklärt. Das gesellschaftliche Gefüge aus Verdrängung, Verleugnung und Undeutung vermag ihm der Autor gut herauszuarbeiten. Als Bonus liest Bleutge Venclovas Porträts von Kollegen und Vorbildern wie Pasternak, Milosz und Achmatowa.

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