Dana Grigorcea

Die nicht sterben

Roman
Cover: Die nicht sterben
Penguin Verlag, München 2021
ISBN 9783328601531
Gebunden, 272 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Eine junge Bukarester Malerin kehrt nach ihrem Kunststudium in Paris in den Ferienort ihrer Kindheit an der Grenze zu Transsilvanien zurück. In der Kleinstadt B. hat sie bei ihrer großbürgerlichen Großtante unter Kronleuchtern und auf Perserteppichen die Sommerferien verbracht. Eine Insel, auf der die kommunistische Diktatur etwas war, das man verlachen konnte. "Uns kann niemand brechen", pflegte ihre Großtante zu sagen. Inzwischen ist der Kommunismus Vergangenheit und B. hat seine besten Zeiten hinter sich. Für die Künstlerin ist es eine Rückkehr in eine fremd gewordene Welt, mit der sie nur noch wenige enge Freundschaften und die Fäden ihrer Familiengeschichte verbinden. Als auf dem Grab Vlad des Pfählers, als Dracula bekannt, eine geschändete Leiche gefunden wird, begreift sie, dass die Vergangenheit den Ort noch nicht losgelassen hat - und der Leitspruch ihrer Großtante zugleich der Draculas ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.04.2021

Rezensent Andreas Platthaus wundert sich über die Blutarmut in Dana Grigorceas Bearbeitung des Dracula-Mythos. Was mit Erinnerungen an eine Kindheit in Rumänien beginnt, endet laut Rezensent in einer wenig geglückten Verquickung des Blutsaugers mit aktuellen rumänischen Zuständen. Unglücklich, weil Grigorcea mit Klischees um sich wirft, teils "geschwätzig", teils sprachlich hilflos schreibt, wie Platthaus moniert, und den historischen Grafen eher lustlos in den Text montiert. Als Parodie taugt das Ganze nicht, findet er.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.04.2021

Rezensent Jörg Magenau ist fasziniert von Dana Grigorceas Roman, in dem eine rumänische Kunststudenten ihre Abstammung von Vlad dem Pfähler (möglicherweise historisches Vorbild für Bram Stokers Dracula) entdeckt und daraufhin selbst vampireske Züge entwickelt. Wie elegant die Autorin dabei Erinnerungen an die Diktatur Ceausescus mit dem phantastischen Element des Vampirismus und zusätzlich mit der neokapitalistischen Gegenwart verbindet, beeindruckt den Rezensenten sehr. Auch Grigorceas "sinnliches" Schreiben lobt er. Ein "schillernder" Schauerroman und ein Plädoyer für einen kritischen Blick auf Überlieferung, so Magenau.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.03.2021

Rezensent Roman Bucheli ist angetan von der eigenwilligen Art und Weise, in der Dana Grigorcea in ihrem Roman von einem Bürgermeister in der Walachei und dabei implizit vom rumänischen Diktator Nicolae Ceausescu erzählt - nämlich in einer burlesken Mischung, in der "überschwänglicher" Realismus ins fantastische Fabulieren kippe und in der Ceausescu ohne besonders oft erwähnt zu werden zur immer größeren Schreckgestalt anschwelle, staunt Bucheli. Wie die Autorin sich einen "maliziösen Spaß" daraus mache, die Toten mit den Lebenden, die Vergangenheit mit der Gegenwart und die städtische mit der ländlichen Bevölkerung Rumäniens kollidieren zu lassen, imponiert dem Rezensenten, der hier zudem ein neues Genre entstanden sieht: den "politischen Schauerroman".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.03.2021

Rezensentin Jutta Person lacht herzhaft mit diesem Schauermärchen aus der postkommunistischen Gegenwart. Und so lässt die Kritikerin der Geschichte um eine junge Malerin, die auf dem Landsitz ihrer Tante Margot in der Walachei nicht nur eine Leiche, sondern auch das Grab von Vlad III. entdeckt, kleinere Schwächen gern durchgehen. Denn auf einen stringenten Plot kommt es in Grigorceas Roman gar nicht unbedingt an, meint die Rezensentin, die sich stattdessen vielmehr an dem Witz, der Prise Tarantino und den üppigen Anspielungen dieses "Vampirromans" erfreut.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.03.2021

Der Erzählerin Dana Grigorcea vertraut sich Rezensentin Judith von Sternburg gerne an, auch wenn es nach Transsilvanien in die Familiengruft der Erzählerin geht, zu Vlad dem Pfähler und üblen Überresten der Ceausescu-Diktatur. Grigorceas Blick auf neue alte Verhältnisse in ihrer Heimat, der laut Sternburg zwischen Schauergeschichte und bitterem Realismus changiert, scheint der Rezensentin genau der richtige zu sein, um B-Movie-Elemente und Regionalpolitik zu vereinen. Die Leserin muss sich allerdings damit abfinden, von der Erzählerin unversehens in "ungemütlicher Umgebung" alleingelassen zu werden, warnt Sternburg, so sehr hält die Autorin Figuren, Zeit, Ort und die Handlung selbst in der Schwebe.

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