Was 2011 als Aufbegehren gegen ein politisch und moralisch bankrottes System begann, eskaliert immer weiter, beschleunigt noch durch die Exzesse des "Islamischen Staates". Ratlos schaut die Welt zu, kann oder will nicht helfen - zu verworren scheinen die Konfliktlinien, zu groß ist die Sorge, die "falsche Seite" zu unterstützen. Daniel Gerlach beleuchtet das schizophrene Verhältnis der Religionen und Konfessionen in Syrien, das Wirken sichtbarer und unsichtbarer Mächte, die diesen Konflikt so unerbittlich machen. Er beschreibt die Geister der Vergangenheit, erzählt von traumatischen Erfahrungen und ihrer Wirkung auf das heutige Syrien. Klar wendet sich Gerlach gegen die Behauptung, das Regime sei der Garant für Stabilität und den Erhalt eines Staates, den es womöglich längst nicht mehr gibt. Die Lage ist undurchsichtig - auf ihrer Unwissenheit ausruhen können sich die internationalen Mächte nun allerdings nicht mehr.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.06.2015
Wolfgang Freund ächzt etwas unter der Schwere dieses Bands, der sich streckenweise so lese, als hätte Daniel Gerlach Geheimdienstakten zusammengenagelt. Umständlich wird die syrische Nomenklatura aufgelistet, Zusammenhänge ausführlichst ausgebreitet. Freund versichert jedoch, dass die mühevolle Durcharbeitung lohnt. Am Ende habe man wirklich etwas gelernt über den Damaszener Blutzirkus und seine Sponsoren.
Christiane Müller-Lobeck lernt einiges über das Assad-Regime bei Daniel Gerlach. Etwa, dass es den syrischen Staat an und für sich gar nicht mehr gibt, sondern nur Konfusion und Vernebelung und Istitutionen, die nur zusammen mit ihren mafiösen Spiegelinstitutionen existieren. Dass der Autor Syrien seit langem kennt, merkt sie an seiner systematischen, staatstheoretischen Darstellung, seiner Schilderung aus der Geschichte des Landes und den eingestreuten Anekdoten, die laut Rezensentin auf enge Kontakte zurückgehen. Assad und IS, das gehört für die Rezensentin zu den schockierenden Erkenntnissen der Lektüre, koexistieren und sind sogar voneinander abhängig.
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