Daniel Mellem

Die Erfindung des Countdowns

Roman
Cover: Die Erfindung des Countdowns
dtv, München 2020
ISBN 9783423282383
Gebunden, 288 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Nach dem Ersten Weltkrieg bricht das Zeitalter der Utopien an. 1920 zieht es den jungen Hermann Oberth von Siebenbürgen nach Göttingen, um Physik zu studieren - die spannendste Wissenschaft der Zeit. Hermann will den Menschheitstraum von der Mondrakete verwirklichen. Als der Durchbruch nah ist, weisen seine Professoren ihn ab. Seine lebenslustige Frau Tilla versucht, einen gemeinsamen Alltag als Familie zu ermöglichen, als doch jemand an Hermanns Forschung glaubt: Wernher von Braun, Mitglied der SS. Doch statt der Mondrakete soll Hermann die V2 mitentwickeln, eine "Vergeltungswaffe" für die Nazis. Seine Kinder Ilse und Julius verliert er an den Krieg. Und so stellt sich ihm und auch Tilla mit voller Wucht die Frage nach der eigenen Verantwortung für die Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.2020

Rezensent Martin Halter ist enttäuscht von Daniel Mellems literarischem Biopic über den nerdigen Raketenmann Hermann Oberth, der aus dem Schatten Wernher von Brauns nie herausfand. Nicht dass Oberths Biografie zu viel mehr taugte, aber Mellem gelingt es laut Halter kaum, die bekannten Pfade der Romanbiografie zu verlassen und anders als chronologisch die Lebensstationen des Tüftlers abzuhaken. Wirklich mitreißend, wie der Klappentext verspricht, kann Halter den Text nicht finden, zu hölzern die Dialoge, zu betulich Oberths in die Geschichte eingeflochtene Jugenderinnerungen, meint der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.10.2020

Für den Rezensenten Nicolas Freund scheint Daniel Mellem sich mit seinem Buch über den eher erfolglosen Raketenpionier Hermann Oberth eher an Hollywood-Biografien zu orientieren als an Literatur. Dass Oberth als Sidekick Wernher von Brauns immer im Hintergrund steht, wenn Geschichte gemacht wird, schildert der Autor laut Freund recht brav, nüchtern und chronologisch, von einigen "hipsterhaften" Passagen über Raketentests abgesehen. Die Pointen im Buch findet Freund wenig überraschend, uninteressant erscheint ihm das Buch aber dennoch nicht, da es die Ambivalenzen der Figur zwischen Tüftlergeist und nationalsozialistischen Tendenzen ausleuchtet.

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