Robert Seethaler erzählt die Geschichte von Franz, Freud und Anezka im Wien der 30er Jahre Österreich 1937: Der 17-jährige Franz Huchel verlässt sein Heimatdorf, um in Wien als Lehrling in einer Trafik einem Tabak-und Zeitungsgeschäft sein Glück zu suchen. Dort begegnet er eines Tages dem Stammkunden Sigmund Freud und ist sofort fasziniert von dessen Ausstrahlung. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Männern. Als sich Franz kurz darauf Hals über Kopf in die Variététänzerin Anezka verliebt und in eine tiefe Verunsicherung stürzt, sucht er bei Professor Freud Rat. Dabei stellt sich jedoch schnell heraus, dass dem weltbekannten Psychoanalytiker das weibliche Geschlecht ein mindestens ebenso großes Rätsel ist wie Franz. Ohnmächtig fühlen sich beide auch angesichts der sich dramatisch zuspitzenden politischen-gesellschaftlichen Verhältnissen. Und schon bald werden sie und Anezka jäh vom Strudel der Ereignisse auseinander gerissen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2012
Robert Seethaler neuer Roman "Der Trafikant" überzeugt durch seinen "bösen Zauber", meint Rezensent Andreas Platthaus. Er begleitet hier den siebzehnjährigen, ebenso zarten wie unbedarften Franz Huchel, der im Jahre 1937 von seiner Mutter nach Wien geschickt wird, um in der Trafik - österreichisch für Kiosk - ihres Ex-Geliebten zu arbeiten. Der Kritiker liest nicht nur, wie Seethalers liebenswert-naiver Protagonist in Wien neben Sigmund Freud auch erstmalig "Liebe und Hass, Politik und Freundschaft" kennenlernt, sondern erlebt auch, wie der junge Mann die Trafik im Jahre 1938 nach der Machtergreifung der Nazis lebenstüchtig und hoffnungsvoll weiterführt - um schließlich doch zu Grunde zu gehen. Nicht zuletzt lobt der Rezensent die "schnörkellose Sprache" dieses erstaunlichen Romans.
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