Der Fotograf Fred Stein
Ein deutsch-jüdisches Leben 1909 bis 1967

Ch. Links Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783962892517
Gebunden, 336 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Die erste Biografie von Fred Stein: Fotograf, Exilant und Chronist des 20. Jahrhunderts. Hannah Arendt mit Zigarette, Thomas Mann am Schreibtisch, der lächelnde Einstein, Brecht im Profil. Diese Aufnahmen sind weltberühmt, ihr Fotograf ist weitgehend unbekannt. In der ersten Biografie über Fred Stein zeichnet Historiker Daniel Siemens Leben und Leistungen des Manns hinter der Kamera nach. 1933 flieht der jüdische Jurist mit Frau Lilo unter dem Vorwand einer Hochzeitsreise ins Exil: von Dresden nach Paris, später nach New York. Die gebrauchte Leica, die das Paar kauft, ist dabei erst der Anfang. In drei Jahrzehnten lichtet Stein über 1000 Künstler, Politiker und Prominente ab. Seine Porträts und Straßenszenen erzählen von Würde, Menschlichkeit, politischen Kämpfen - und einer Welt, die dem Exilanten selbst oft versagt blieb.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 06.06.2026
Ein rührendes Buch bespricht Rezensent Peter Richter. Daniel Siemens widmet sich in ihm Leben und Werk des Fotografen Fred Stein, der, 1908 in Dresden geboren, als Jude und linker Sozialdemokrat gemeinsam mit seiner Frau Lilo 1933 nach Frankreich und später in die USA floh. Die beiden arbeiteten im Exil auch künstlerisch zusammen, Fred fotografierte, Lilo entwickelte die Bilder. Bekannt und erfolgreich wurde Stein vor allem durch die Aufnahmen Prominenter, insbesondere fotografierte er andere Exilanten, in Paris unter anderem Robert Capa und Willy Brandt, in den USA dann, zum Beispiel, Thomas Mann und Hannah Arendt. Schwermütig sind diese oft ausgestellt inszenierten Bilder oft, beschreibt Richter. Insgesamt konzentriert sich Siemens in seinem Buch mehr auf Steins Lebensweg als auf dessen fotografisches Werk, so der Rezensent - der sich freilich darüber freut, dass die Veröffentlichung trotzdem auch "ein ergreifendes Bilderbuch" hergibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2026
Rezensentin Alexandra Wach bekommt mit Daniel Siemens' Biografie des Fotografen Fred Stein, der im Exil u. a. Brecht, Einstein und Heinrich Mann porträtierte, ein lebendiges, nuanciertes und "leichtfüßig" geschriebenes Buch. Lesenswert findet sie die Mischung aus mitfühlend verfassten essayistischen Teilen und aus dem Nachlass recherchierter Biografie und Gegenwartsbezug. Dass ästhetische Überlegungen im Buch knapp sind, entgeht Wach zwar nicht, dieser Mangel aber scheint ihr wettgemacht etwa durch eingehende Betrachtungen zu Steins Sicht auf die Zersplitterung der Linken nach Kriegsende.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 12.03.2026
Einen "höflichen Paparazzo" kann man in diesem Buch kennenlernen, schreibt Rezensent Cornelius Pollmer. Es geht um den Fotografen Fred Stein, dessen weitgehend in Vergessenheit geratenen Lebenslauf der Historiker Daniel Siemens aufarbeitet. Es ist schon verwunderlich, meint Pollmer, dass Stein kaum jemand kennt, hat der 1909 Geborene und 1967 Verstorbene doch im Laufe seiner Karriere so ziemlich jeden vor die Kamera bekommen, der damals Rang und Namen hatte, von Arendt über Brandt bis Updike und Nabokov. Teil seines Erfolgsrezepts war seine ausgesprochen einnehmende Art, die es ihm ermöglichte, viel Zeit mit den Porträtierten zu verbringen. Auch Steins Schicksal als Exilant spielt eine wichtige Rolle im Buch: Geboren wurde er in Dresden, als Jude floh er 1933 erst nach Paris, später landete er in den USA. Gerade dieser Aspekt, darauf legt Siemens wert, macht diesen Lebensweg auch heute noch interessant. Mit dem Buch, das diesem Lebensweg gewidmet ist, verbringt der Kritiker eine sehr gute Lektüre.