Anatol Regnier

Jeder schreibt für sich allein

Schriftsteller im Nationalsozialismus
Cover: Jeder schreibt für sich allein
C.H. Beck Verlag, München 2020
ISBN 9783406755927
Gebunden, 366 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Wer als Autor im Dritten Reich publizieren wollte, musste sich offiziell registrieren lassen als Mitglied der Reichsschrifttumskammer. Aber was bedeutete das? Wieviel Anpassung wurde verlangt? Wie war das Verhältnis zum Staat und wie das Selbstverständnis als Repräsentant des deutschen Geisteslebens? Hielt man Kontakt zu emigrierten Kollegen? Und wie stellte man sich zur Verfolgung und Deportation der Juden? Anatol Regnier hat für dieses Buch Schriftstellernachlässe und Verlagskorrespondenz gesichtet und lässt die Protagonisten ausführlich selbst zu Wort kommen. Überzeugte Nazis sind darunter, andere glaubten, das Richtige zu tun und taten das Falsche. War man als Dagebliebener, wie man sich auch drehte und wendete, Teil des Systems? Oder war es möglich, als Schriftsteller im nationalsozialistischen Deutschland integer zu bleiben?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2021

Laut Rezensent Werner von Koppenfels geht Anatol Regniers Methode im Umgang mit Zeitzeugenstimmen von Schriftstellern im Nationalsozialismus auf. Wie der Autor seine Recherchefunde, Tagebucheinträge, Briefe, Reden und Artikel, montiert und mit lakonischen, zum Leser-Glück nicht selbstgerechten Kommentaren versieht, findet Koppenfels lesenswert. Dem Leser begegnen naturgemäß zwar nicht sämtliche Autoren der Zeit, aber mit Benn, Fallada oder Frank Wedekind wichtige Zeitgenossen und zugleich Teile von Regniers eigener Verwandtschaft, wie der Rezensent erklärt. Eine atmosphärische Kulturgeschichte, lobt er.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 17.10.2020

Tilman Krause sieht mit Anatol Regnier die Zeit der Entwirklichung gekommen. So wie Regnier über Schriftsteller im Nationalsozialismus schreibt, leicht, impressionistisch, anekdotisch, pointiert, nicht moralisch, das scheint Krause zeitgemäß, weil wir schon zu viele Katastrophen erlebt beziehungsweise gesehen haben, um nicht offen zu sein für das Komische und Schmierenkomödiantische daran, findet er. Genau das aber streicht der Autor laut Krause heraus, wenn er über die naive Agnes Miegel oder den ranschmeißerischen Hanns Johst berichtet und über konfuse Sitzungen in der Preußischen Akademie der Künste.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2020

Rezensent Florian Keisinger bedauert, dass die Jünger-Brüder im Buch von Anatol Regnier über Möglichkeiten der inneren Emigration von Literaten während der NS-Zeit nicht vorkommen. Das schmälert aber kaum das Verdienst des Autors, das laut Keisinger vor allem darin besteht, ohne vorschnelle Verurteilungen Ambivalenzen aufzuzeigen, Verbindungen zwischen Exil- und Inlandsautoren sowie Grade der Anbiederung und des inneren Widerstands. Zu recht vergessene Autoren wie Hans Grimm und Will Vesper kommen dabei ebenso in den Blick wie prominente Literaten wie Benn, Fallada oder Klaus Mann, erläutert Keisinger.

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