Daniel Woodrell

In Almas Augen

Roman
Cover: In Almas Augen
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2014
ISBN 9783954380213
, 192 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Peter Torberg. Missouri, Sommer 1929. In einer Kleinstadt sterben 42 Menschen, als es eines Nachts bei einer Tanzveranstaltung zu einer gewaltigen Explosion kommt. Es gibt viele Gerüchte über die Tragödie, doch die wahren Ursachen kommen nie ans Tageslicht, und als kurz darauf die Große Depression über das Land hereinbricht, scheint alles zu verblassen. Nur eine Person lassen die Ereignisse nicht los, die Haushälterin Alma DeGeer Dunahew. Sie hat ihre Schwester Ruby in den Flammen verloren und glaubt nicht an einen Unfall. Aber als sie Nachforschungen anstellt und dabei an der fragilen Ordnung der Stadt rüttelt, wird Alma mehr und mehr ausgegrenzt. Sie verliert ihre Arbeit und entfremdet sich von ihrer Familie. Erst vierzig Jahre später wird sie ihre eigene Wahrheit über jene Nacht enthüllen. Über ihre schöne, verführerische Schwester, die sich damals auf eine verhängnisvolle Affäre einließ, und einen Sommer, der niemals endete.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.05.2014

Sehr zufrieden ist Christoph Schröder mit dem neuen Roman von Daniel Woodrell, der hierzulande mit seinem Roman "Winters Knochen" auch einem größeren Publikum bekannt wurde. Auslösendes Moment von "In Almas Augen" ist die Katastrophe einer 1929 von einer großen Explosion heimgesuchten Vergnügungshalle in einer amerikanischen Kleinstadt, erklärt der Rezensent: Nur eine Frau ist sich sicher, die Wahrheit hinter dem ungeklärten Ereignis zu kennen - und zahlt dafür den Preis sozialer Isolation. Ganz hervorragend findet der Rezensent weniger die Geschichte als solche, sondern Woodrells Erzähltechnik, die das Geschehen mittels zahlreicher Zeitsprünge mosaikartig ausbreitet, aber dennoch eine hohe Lesbarkeit garantiert. Noch mehr bestaunt er allerdings das Gespür des Autors für soziale Ungleichheiten: Man erfährt hier nicht nur viel über die USA vor der Weltwirtschaftskrise, sondern auch in Form zahlreicher "feiner Porträts" über die Menschen dieser Zeit, so Schröder. Das ergebe allemal einen "spannenden Roman", dessen Härte immer wieder auch genügend Raum für zärtliche Passagen lässt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.05.2014

Ins Jahr 1928, das Jahr der Depression, nimmt Daniel Woodrells Roman den Rezensenten mit, genauer zu einem historisch verbrieften Tanzhallenbrand im armen US-amerkanischen Süden, fasst Sylvia Staude Daniel Woodrells neuen Roman "In Almas Augen" zusammen. Alma ist Dienstmädchen im Haushalt der Glencrosses, wo Mr. Glencross auf seine alten Tage mit Almas Schwester Ruby, der "hauptberuflichen Geliebten" des Ortes, noch einmal die fleischliche Lust für sich entdeckt - bis sie ihn gelangweilt fallen lässt, referiert die Rezensentin. Das Etikett "southern noir" scheint ihr gut zu passen, vereint es doch Krimi und Gesellschaftsgeschichte. Wenn wie bei Woodrell noch wunderbare Formulierungen und ein Reigen kurioser und, wie Staude findet, zutiefst menschlicher Figuren hinzukommt, lohnt sich die Lektüre ganz offenbar.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2014

Mit einer Menge starker Bilder geht Hannes Hintermeier aus der Lektüre dieses Romans von Daniel Woodrell. Krimi oder nicht, diese Frage scheint für den Rezensenten zweitrangig zu sein, da der Autor Märchenmotive, einen spannenden Plot, historisches Gesellschaftsporträt und Noir-Traditionen auf gekonnte Weise mischt. Einen der besten in dieser Disziplin sieht Hintermeier in Woodrell. Das Buch, das während der Großen Depression in den Bergen Missouris spielt, ein kollektives Trauma behandelt und für den Rezensenten spannend bis zuletzt ist, verdankt seine Stärke laut Hintermeier seiner Multiperspektivik, dem meisterlichen Umgang des Autors mit kurzen, trickreichen Plots und einer Gabe zur Verdichtung mittels eines wiedererkennbaren Sounds.
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