Aus dem Englischen von Ulrike Berger. Mit einer Einleitung von Axel Honneth. Philosophische Theorien der Gerechtigkeit nehmen die Vielfalt alltäglicher Gerechtigkeitsurteile selten zur Kenntnis. Anders dagegen David Miller: Ausgehend von einer Analyse der Kontexte, in denen die in der Gesellschaft kursierenden Gerechtigkeitsvorstellungen entstehen, zeigt er deren Vielgestaltigkeit und ihren philosophischen Gehalt. Er identifiziert drei Grundsätze, die allen Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit zugrunde liegen: Bedarf, Verdienst und Gleichheit. Seine zentrale These ist, dass mit den unterschiedlichen Formen menschlicher Beziehungen der jeweilige Stellenwert dieser Grundsätze variiert. Millers klar und unprätentiös geschriebenes Buch verdient es, in einem Atemzug mit den Werken von Rawls und Walzer genannt zu werden. Glanzstücke seiner Argumentation sind unter anderem seine Bemerkungen zur Rolle von Glück bei der Beurteilung von Leistungen für das Gerechtigkeitsempfinden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.02.2009
Rezensent Michael Schefczyk schätzt David Millers erstmals 1999 erschienenes, nun in deutscher Übersetzung vorliegendes Werk zur Theorie sozialer Gerechtigkeit, auch wenn er nicht in allen Punkten mit dem Autor einverstanden ist. Deutlich wird für ihn bei Miller zum einen, dass soziale Gerechtigkeit auf die grundlegenden Institutionen einer Gesellschaft bezogen ist, zum anderen, dass nur der Staat die Mittel hat, eine Gesellschaft im Sinne einer Theorie sozialer Gerechtigkeit zu gestalten. Er hebt den pluralistischen Ansatz von Millers Theorie hervor und betont ihre Unterfütterung durch empirische Befunde. Der Versuch des Autors, die Gerechtigkeitsprinzipien von Bedarf, Verdienst und Gleichheit den sozialen Beziehungen von solidarischer Gemeinschaft, Zweckverband und Staatsbürgerschaft zuzuordnen, scheint ihm allerdings nicht unproblematisch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2008
Dieter Thomä erklärt uns, womit wir es zu tun haben, wenn wir das nun auf Deutsch vorliegende, bereits zehn Jahre alte Buch von David Miller aufschlagen. Der Autor entwerfe ein Bild von der Gerechtigkeit nicht als von einem Bau aus einem Guss, sondern als von einem "Ensemble verschiedener Gebäude" mit Lücken. Thomä schätzt die Wirklichkeitsnähe dieses Bildes, das Miller mit jeder Menge Empirie untermauert. Wenn der Autor auf diesem Wege die Gleichung "Gerechtigkeit-Gleichheit" pluralistisch und scharf argumentierend, wie es in der Besprechung heißt, um die Kriterien "Bedarf" und "Verdienst" erweitert, sieht Thomä dem Menschen mit seinen Stärken und Schwächen Gerechtigkeit widerfahren.
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