Aus dem Amerikanischen von Andreas Simon dos Santos. David Talbot liefert mit seiner Biographie über den langjährigen CIA-Direktor Allen Dulles auf die dunkle Seite der Macht und durch ein halbes Jahrhundert amerikanischer Schattenpolitik. Als "finsterer Prinz des Kalten Krieges" entwickelte Dulles die CIA vom kleinen Nachrichtendienst zu einer schlagkräftigen Organisation zur weltweiten Durchführung verdeckter Operationen, Mordplänen gegen ausländische Staatsführer, dem Sturz legitim gewählter Regierungen im Ausland und der massenhaften Überwachung der eigenen Staatsbürger.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2017
David Talbots "Schachbrett des Teufels" fällt bei Rezensent Michael Hochgeschwender durch. Zwar kann ihm Talbot die Geschichte des Aufstieg von Allen Dulles, im Zweiten Weltkrieg Chef des OSS und später Direktor der CIA durchaus, "spannend" und lebhaft vermitteln, auch über die nachrichtendienstlichen Machenschaften erfährt der Kritiker hier einiges. Damit hat es sich laut Hochgeschwender aber auch schon, denn Talbot hat sich derart auf Dulles und die Verschwörungstheorie, er sei am Attentat auf John F. Kennedy beteiligt gewesen, eingeschossen, dass er in seiner Anklageschrift sämtliche Zweifel und Facetten ausblendet. Dulles erscheint hier schlicht als "Hochverräter" und Nazi-Kollaborateur, Kennedy und Roosevelt werden hingegen derart reingewaschen, dass sie als positive Gegenspieler erscheinen können, so der Rezensent, dem das in dieser Form zu "simpel" ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.10.2016
Willi Winkler taucht mit David Talbot ein in die Schwarzweißmalerei der fünfziger und sechziger Jahre in den USA unter Eisenhower, dessen "bestem Mann" sich Talbot hier widmet: CIA-Direktor Allen Dulles. Schade, meint Winkler, dass der Spionagethriller-Autor Talbot dem gleichen Schachbrettmuster erliegt wie die USA mit ihrer damaligen äußerst schlichten Geopolitik, wenn er das Sündenregister von Dulles aufstellt, von den verdeckten Operation in Vietnam bis zu den LSD-Experimenten. Etwas weniger Kolportage und Abrechnungsgestus, findet der Rezensent, hätten dem Buch sicher gutgetan.
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