David van Reybrouck

Kongo - Eine Geschichte

Cover: Kongo - Eine Geschichte
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518423073
Gebunden, 783 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Waltraud Hüsmert. David van Reybrouck erzählt die Geschichte Kongos, wie wir sie noch nie gelesen haben. Der Autor, der den Bogen von der kolonialen Gewaltherrschaft unter Leopold II. über die 32jährige Mobutu-Diktatur bis hinein in die Gegenwart spannt, berichtet aus der eindrücklichen Perspektive derjenigen, die in ihrem Land leiden, kämpfen, leben - im Mittelpunkt stehen die Träume, Hoffnungen und Schicksale der sogenannten einfachen Bevölkerung.
Für sein Buch hat der Autor zahlreiche Reisen in das zentralafrikanische Land unternommen, in dem er einzigartige Interviews führen konnte. Der Älteste, mit dem er sprach, wurde 1882 geboren. Seine Stimme und die vieler hundert anderer, Kindersoldaten und Rebellenführer, Politiker und Missionare, machen dieses Buch zu einem Ereignis.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.07.2012

So sachkundig wie begeistert berichtet Michael Bitala von diesem Buch, in dem der Belgier David van Reybrouck 150 Jahre kongolesischer Geschichte erzählt. Eigentlich hätte der Rezensent nicht gedacht, dass jemand noch spannender vom Kongo erzählen kann, als es Michela Wrong und Adam Hochschild getan haben, aber er muss feststellen: Man kann, oder genauer gsagt: Reybrouck kann. Brillant, findet Bitala, wie anschaulich und fesselnd Reybrouck erzählt, wie gründlich er unter schwierigsten Bedingungen recherchiert hat, wie facettenreich seine Darstellung dieses "armen, reichen Lands" ist. Und immer lasse der Autor Kongolesen selbst zu Wort kommen, Rebellenführer, Kindersoldaten und Kriegsverbrecher, aber zum Beispiel auch einen Mann, der über hundert Jahre alt sein muss und erzählt, dass er zwar nicht Stanley selbst gekannt habe, aber dessen Boy. Auch die "Brutalität und Exzentrik" Mobutus findet Bitala sehr überzeugend dargestellt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.06.2012

Sehr ausführlich setzt sich Dominic Johnson, Auslandschef der taz, der sich selbst intensiv mit dem Kongo beschäftigt hat, mit David Van Reybroucks Geschichte des Kongo auseinander, das jetzt auf Deutsch erschienen ist. Der belgische Autor schildert die bis heute von Gewalt geprägte Geschichte Kongos von der Schreckensherrschaft des belgischen Königs Leopold II. bis in die Gegenwart vielfach aus den persönlichen Perspektiven einzelner Protagonisten, was der Rezensent immerhin als lebendige, plastische und mitunter geradezu "mitreißende" Erzählweise empfindet. Dennoch sieht er hier ein nicht geringes Problem, das ihm zudem typisch für die Geschichtsschreibung des Kongos erscheint: dass die eingeschränkte Perspektive zu Lasten einer systematischen Darstellung geht und man somit das Problem Kongo eher unterkomplex zu fassen kriegt. Johnson stellt zwar fest, dass der Autor zumindest die belgische Literatur über den Kongo so ziemlich vollständig gelesen hat. Allerdings fällt ihm die Lektüre nicht kritisch genug aus, es kommt zu Unausgewogenem, indem beispielsweise die belgische Kolonialzeit wesentlich eingehender in den Blick genommen wird als etwa die Zeit nach der Unabhängigkeit, so der Rezensent unzufrieden. Zudem ist Van Reybroucks Darstellung der Kolonialzeit durchaus parteilich, findet Johnson, für den sich das Buch als "Kolonialapologie" liest, und schließlich vermisst er eine vertiefende Auseinandersetzung mit der kongolesischen Politik, die Schilderungen der gewaltsamen Auseinandersetzungen muten ihm zu folkloristisch an.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2012

Differenzierter als bisher blickt Andreas Eckert nach der Lektüre von David Van Reybroucks Kongo-Buch auf den afrikanischen Staat. Nicht mehr als reinen Katastrophenort sieht er ihn, auch nicht als exotischen Platz. Der Autor, erklärt Eckert, verschließe durchaus nicht die Augen vor der Gewalt (der Kolonialherren, der Herrschaft Mobutus). Den Ton des Buches allerdings findet er angenehm frei von Larmoyanz und Ideologie. Die von Reybrouck kenntnisreich gebotene thematische Mischung wird laut Eckert den Widersprüchen des Landes gerecht. Das Händchen des Autors für größere Zusammenhänge und für Einzelschicksale, verbunden mit einem bemerkenswerten erzählerischen Talent überzeugen den Rezensenten und lassen ihn die Geschichte des Kongos als spannende Lektüre erfahren.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.04.2012

Das traditionelle Afrika-Bild ist brüchig geworden, stellt Andrea Böhm fest und fragt, wie sich vor diesem Hintergrund über Afrika schreiben lässt. Emphatisch hebt die Rezensentin dabei David Van Reybroucks Geschichte des Kongo hervor. Auf über 700 Seiten entziehe sich der belgische Autor konventionellen literarischen Gattungszuschreibungen ebenso wie der herkömmlichen Rezeption des Kongo als hoffnungsloser failed state. Reybrouck verfalle nicht in "Retter-Fantasien", sondern stelle das Land "in den Lauf der Geschichte".

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