Aus dem Amerikanischen von Christian Ruzicska. In der chassidischen Satmar Gemeinde in Williamsburg, New York, herrschen die strengsten Regeln einer ultraorthodoxen jüdischen Gruppe weltweit. Die Satmarer, wie sie sich seit ihrer Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg nennen, sehen im Holocaust eine von Gott verhängte Strafe. Um eine Wiederholung der Shoa zu vermeiden, führen sie ein abgeschirmtes Leben nach strengen Vorschriften. Sexualität ist ein Tabu, Ehen werden arrangiert, im Alltag wird Jiddisch gesprochen. Nach Schätzungen zählt die Gemeinde heute 120.000 Mitglieder, denen sie ein Netz an Sicherheit gewährt - ohne jegliche Freiheit. Deborah Feldman hat schon als Kind Anstoß an der strikten Unterwerfung unter die vom Gründungsrabbiner der Sekte aufgestellten Lebensgesetze genommen, an der Ausgrenzung, der ärmlichen Lebensweise und der Unterordnung der Frau. Ihr Gerechtigkeitsempfinden und ihr Wissenshunger haben sie - verstärkt durch verbotene Literatur - angetrieben, ihren Alltag zu hinterfragen. Stets hat sie Angst, entdeckt und bestraft zu werden, und ihren einzigen Ausweg aus der Enge ihrer Welt zu verlieren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.03.2016
Tief beeindruckt hat Thorsten Schmitz Deborah Feldmanns in den USA bereits 2012 erschienene autobiografische Erzählung "Unorthodox" gelesen. Der Kritiker bewundert das Vermögen der Autorin packend und zugleich diskret von ihrer Vergangenheit bei den Satmarern, einer ultra-orthodoxen chassidischen Gemeinde in den USA zu erzählen. So liest Schmitz, wie Feldmann bei den strengen Großeltern jenseits von Fernsehen und Zeitungen aufwächst oder absurde Erfahrungen in ihrer arrangierten Ehe erlebt: Ultraorthodoxe Frauen müssen etwa vor dem Geschlechtsverkehr nach ihrer Menstruation sieben Tage lang anhand von 14 Tüchern nachweisen, dass sie nicht mehr bluten, erfährt der Kritiker. Ein lakonisches, entwaffnendes, sanftes und nie peinliches Buch, das zudem elegant übersetzt worden ist, lobt der Rezensent.
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