Mr. Goebbels Jazz Band

Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2023
ISBN
9783627003067
Gebunden, 320 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Berlin, Frühjahr 1940. Auf Beschluss von Joseph Goebbels wird für den Auslandsradiosender Germany Calling eine Big Band gegründet, die als Mr. Goebbels Jazz Band internationale Bekanntheit erlangt. Die besten europäischen Musiker, darunter auch Ausländer, Juden und Homosexuelle, spielen im Dienst der NS-Propaganda wortwörtlich um ihr Überleben - ausgerechnet mit Jazz, der als "entartet" galt. Bis zu 6 Millionen britische Haushalte täglich lauschen den Swing-Stücken mit anti-alliiertenHetztexten und dem Star-Moderator William Joyce alias Lord Haw-Haw, der nach seinem Aufstieg in der British Fascist Union aus London nach Berlin geflohen war. Joyce soll den Erfolg "an der Front im Äther" literarisch dokumentieren lassen. Der dafür ausgewählte Schweizer Schriftsteller Fritz Mahler findet sich im Zuge seines Auftrags, einen Propagandaroman über die Band zu schreiben, in verruchten Berliner Clubs und illegalen Jazzkellern wieder, trinkt zu viel Cointreau, verzettelt sichin seinen Recherchen und muss nicht nur die Skepsis der Musiker überwinden, sondern auch seine gefährlichen Auftraggeberüber das schleppende Vorankommen seines Unterfangens hinwegtäuschen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 13.06.2023
"Wie ein Jazzkomponist" spielt Demian Lienhard mit den unterschiedlichen Ebenen seines Romans, bewundert Rezensent Helmut Böttiger. Dessen Thema sei so "spektakulär" wie "skurril": Für ihren englischen Propaganda-Sender engagierten die Nazis die besten Jazz-Musiker aus Deutschland, lesen wir, einige von ihnen waren jüdisch oder homosexuell. Zu diesem realhistorischen Stoff hat der Autor den Schweizer Schriftsteller Fritz Mahler hinzuerfunden, so der Kritiker, der einen Roman über die Jazz-Band schreiben soll. Der Text "prickelt" und "schlägt Funken", freut sich der Rezensent. Außerdem hält er mit seinem komplexen Aufbau einige Überraschungen für den Leser bereit, verrät Böttiger, dem auch die Polyphonie des Texten sehr gut gefällt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2023
Eine verwirrende Besprechung eines verwirrenden Romans hat Rezensent Oliver Jungen vorgelegt: Für ihn verfügt Demian Lienhards Roman über eine "Spiegelkabinett-Poetik", die sich aus den vielen verschiedenen (Meta-)Ebenen ergibt, die in dieser Geschichte um einen Autor zusammenkommen, der in der NS-Zeit den Auftrag erhält, einen Propagandaroman zu schreiben. Den Auftrag bekommt er von einem englischen Kollaborateur, der propagandistische Radiosendungen und eine Swing-Band verantwortet, obwohl diese Musikrichtung in Nazideutschland verboten ist, verrät Jungen. Kompliziert wird es, wenn sich dem fiktiven Autor noch ein Erzähler und ein realer Autor zwischenschalten, wenn poetische Probleme der Gegenwart erörtert werden, aber auch sehr interessant, vielleicht sogar mehr als der historisch akkurate Teil des Buches, der von der Band erzählt, die tatsächlich existiert hat, wie der Kritiker weiß. Es missfällt ihm ein wenig, dass Antisemitismus im Buch keine große Rolle spielt, obwohl einige Bandmitglieder Juden sind und nur unter der Protektion ihrer Musik überleben können - dennoch ein spannender Roman, der dazu einlädt, vom "Putsch der Kunst gegen die kalte Realität" zu träumen.
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buecher.de