Aus dem Russischen von Christiane Körner. Mit zahlreichen s/w Abbildungen. Dieses Buch ist ein seltenes Beispiel dafür, wie umfangreich, überdimensional und poetisch russisch-sprachige Kurzprosa heute sein kann. Die hier enthaltenen Bücher, so nennt Osokin alle seine Texte, stellen das semantische Kristall der Kunst dar, das sich oft im Bereich der hohen Literatur herausbildet. Von besonderer Bedeutung für Osokins Sprache sind geografische Koordinaten mit nur ihnen innewohnenden Farben, die sich von Buch zu Buch ändern, während eine identische Autorenfigur durch die Landschaften führt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.02.2021
Großen Spaß gemacht hat Rezensent Carsten Hueck der Erzählband des russischen Schriftstellers und Mythenforschers. Ganz offensichtlich habe der sich in die Welt seiner Forschung hineinbegeben und schreibe von Orten und Personen, in der eine Mischung aus "postsowjetischer Tristesse" und sinnlich-fließend vorgestellten, heidnischen Welten herrsche. Sehr überzeugt haben den Kritiker jene Motive, in denen Natur in verschiedenen Spielarten immer wieder zur Erlösung für die Protagonisten wird - wie die "erstaunlich plastischen" Schamlippen, die Wörter bilden, oder auch wie die zuvor im Käfig gehaltenen, titelgebenden Vögel, die erst einer toten Frau etwas vorsingen und dann im Wald verschwinden dürfen. Der Kritiker freut sich über das Spielerische - und auf mehr von diesem Autor.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2020
Rezensentin Kerstin Holm lobt den Ciconia ciconia Verlag für die Herausgabe dieses Bandes mit Erzählungen und Gedichten des russischen Autors Denis Osokin, der hierzulande noch wenig bekannt, aber eine wichtige Figur der postkolonialen Hinwendung zu unterdrückten Kulturschichten sei, erklärt die Rezensentin. Keinesfalls ethnographisch rekonstruierend, sondern sehr poetisch erzähle Osokin hier vom kultisch bestimmten Alltag indigener Finnougren im russischen Wolga-Gebiet, so Holm. Die oberflächlich triste Alltagswelt sei dabei unterschwellig von sexuellen "Urkräften" bestimmt, analysiert sie und sieht im Auftritt grausamer Naturgeister die in Russland herrschende Gewalt widergespiegelt. Aber nicht nur folkloristisch-düstere, sondern vereinzelt auch lustige oder psychologisch-realistische Geschichten findet die Rezensentin in dem Band. Auch die Übersetzung von Christiane Kröner lobt sie - einzig ein Vor- oder Nachwort hätte Holm sich noch gewünscht.
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