Herausgegeben von Christoph Johannes Franzen, Karl-Heinz Kohl und Marie-Luise Recker. Der ehemalige Kaiser und der Frankfurter Ethnologe standen in einer engen Beziehung zueinander, die noch aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg stammte. Sie hatte ihren Ausgang von Wilhelms II. archäologischen und mythologischen Interessen genommen, erstreckte sich aber bald auch auf das von Frobenius anhand seiner Forschungen zur Kulturgeschichte Afrikas entwickelte Programm einer "Kulturmorphologie". Der in einem freundschaftlichen, ja manchmal sogar intimen Ton gehaltene Briefwechsel wirft nicht nur auf die Verknüpfung von Politik und Wissenschaft in der Weimarer Republik und in den ersten Jahren des "Dritten Reichs" ein neues Licht, sondern beleuchtet damit auch die nationale wie persönliche Selbstvergewisserung nach dem verlorenen Krieg und dem Ende der Monarchie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2012
Nicht nur zum Lachen findet Julia Voss die umfangreiche Korrespondenz zwischen Wilhelm II. und dem Afrikaforscher Leo Frobenius. Das liegt daran, dass der Kaiser ja nicht nur herrschsüchtiger Privatopportunist und -fantast war, sondern echte Menschen in den Tod schickte. Abgesehen davon allerdings, im Mikrokosmos des Briefwechsels, in dem ein listiger, auf Forschungsgelder schielender Wissenschaftler seinem dilettierenden Kaiser im Exil den Bauch pinselt und ihm ein abstruses Comeback prophezeit, findet Voss das Ganze durchaus lustig.
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