Herausgegeben von Eva Eßlinger, Tobias Schlechtriemen, Doris Schweitzer, Alexander Zorn. Auf der Bühne der Epistemologie kommt es im 20. Jahrhundert zu einer signifikanten Umbesetzung. Ins Rampenlicht der Theoriebildung tritt eine Gestalt, die bis dahin weitgehend zu einer Existenz off stage verurteilt war: die Figur des Dritten. Seither tummelt sich eine Vielzahl von zuvor eher randständigen Akteuren in den kulturwissenschaftlichen Theorien: Boten, Cyborgs, Parasiten, Rivalen, Trickster. Prominent wird der/die/das Dritte jedoch nicht allein in solchen Verkörperungen, sondern auch als theoretische Figuration: Kategorien wie third space, Hybridität oder drittes Geschlecht deuten auf eine neuartige Sensibilität für die Problematik von Grenzziehung und Unterscheidung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.01.2011
Auf weitere Ausarbeitung der hier versammelten Beiträge zum, wie wir lernen, sehr ergiebigen Thema der Figur des Dritten in Soziologie, Rechts- und Kulturwissenschaft, Ökonomie etc. hofft der Rezensent ja auch nur, weil ihm das Thema interessant genug erscheint. Dass die binäre Ordnung ausgedient hat, weiß Tobias Haberkorn allerdings längst. Darum ist er auch nicht von allen Aufsätzen gleich angetan. Manche kommen seiner Meinung über die Feststellung bekannter Sachverhalte nicht hinaus und verharren in der gebrauchsfertigen Denkfigur des Dritten, vielleicht einfach aus Platzgründen, mutmaßt der Rezensent. Ein ordentlicher Reader mit Überblickscharakter ist der Band für Haberkorn allemal, und wenn's um zeitgenössische Figuren wie den Trickster oder den Cyborg geht, kommt er sogar in den Genuss von hochaktuellen, anregenden Essays. Das ist doch eine Menge.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2010
Michael Adrian hat zwei Sammelbände gelesen, die sich um eine wissenschaftliche Konturierung des Begriffs des "Dritten" bemühen, mal im Konkreten, mal im Theoretischen. Der Band "Die Figur des Dritten" macht unter Bezugnahme auf Simmels "Soziologie" deutlich, dass soziales Handeln auf triadische Konstellationen aufbaut. Bei den Beispielen für die variable triadische Konstellation führt der Band nicht nur so "hybride Wesen" wie den "Trickster" oder den "Grenzgänger" vor Augen, so der Rezensent. Mit Klaus Holz' Beitrag über antisemitische Zuschreibungen der Juden als "Dritter der Nation", wird auch der "abgründigste Aspekt" des Dritten augenfällig, meint Adrian. Allerdings kann er sich bei der Fülle von Einzelaspekten und -figuren des Eindrucks einer gewissen Konturlosigkeit der "Figur des Dritten" nicht erwehren, was den Verdacht nährt, sie sei lediglich ein "kulturwissenschaftlicher Diskurseffekt".
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