Herausgegeben im Auftrag des Bundesarchivs, des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin und des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Freiburg von Susanne Heim. Bearbeitet von Maria Wilke. Mitte Oktober 1941 begann die systematische Deportation der Juden aus dem Zentrum des deutschen Machtbereichs. Tausende wurden in Zügen aus Berlin, Wien, Prag, Paris, Brüssel und anderen Städten in das Ghetto Litzmannstadt, nach Minsk, Kaunas oder Riga, und später direkt in die Vernichtungslager gebracht und dort ermordet. Auch aus dem vermeintlichen Vorzeigeghetto Theresienstadt im Protektorat Böhmen und Mähren, dem eine wichtige Rolle bei der Verschleierung der Vernichtungspolitik zukam, gingen Deportationszüge nach Auschwitz. Die 330 Dokumente des Bandes schildern die Lage der Juden und den um sich greifenden Schrecken, als die ersten abgeholt wurden und nachdem Lebenszeichen von den deportierten Freunden und Verwandten ausblieben. Zeitungsartikel, Diplomatenberichte und Tagebücher skizzieren die Reaktionen auf den Beginn der Deportationen und die sich in der zweiten Jahreshälfte 1942 verdichtenden Nachrichten vom Massenmord. Geheime Sitzungsprotokolle ebenso wie öffentliche Reden führender NS-Politiker zeichnen die zentralen, in Berlin getroffenen Entscheidungen nach, die den Weg zur Ermordung der europäischen Juden markieren.
Der sechste Band der Quellenedition über die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden umfasst die Zeit von Oktober 1941 bis zum Frühjahr 1943, und er zeigt Rezensent Stefan Reinecke zufolge, welche Dynamik die Vernichtung in jenen Monaten entwickelte. Vor allem lassen die Dokumente erkennen, dass die enorme Radikalisierung schon einsetzte, bevor die Gaskammern in den Konzentrationslagern fertig gestellt waren. Die massenhafte Erschießung russischer und ukrainischer Juden sowie das Verhungernlassen sowjetischer Rotarmisten setzte unabhängig von der Wannsee-Konferenz ein, betont Reinecke, das Morden fand nicht nur in Auschwitz, Treblinka oder Majdanek statt. Er liest allerdings auch, dass zumindest der Fürther Bäcker Daniel Lotter im Januar 1942 in seinem Tagebuch Berichte über "unerhörte Grausamkeiten" in Polen festhielt: Wenn sie wahr wären, würden sie als unauslöschlicher Schandfleck durch die Jahrhundert dem deuten Volke anhängen", schrieb der aufrechte Mann.
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