Pavel Polian (Hg.)

Briefe aus der Hölle

Die Aufzeichnungen des jüdischen Sonderkommandos Auschwitz
Cover: Briefe aus der Hölle
WBG Theiss, Darmstadt 2019
ISBN 9783806239164
Gebunden, 632 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Als 2017 das Zeugnis Marcel Nadjaris an die Nachwelt mit aufwändiger Technik entziffert werden konnte, war dies eine Sensation: Die letzte der "Aufzeichnungen aus der Hölle", der geheimen Aufzeichnungen der jüdischen Häftlinge des Sonderkommandos in Auschwitz-Birkenau, war wieder lesbar gemacht. Die Mitglieder des Sonderkommandos wurden von der SS gezwungen, bei dem Massenmord in den Krematorien, dem Verbrennen der Leichen, bei der Entsorgung der Asche von hunderttausenden Menschen mitzuhelfen. Dass einige von ihnen den Drang verspürten, schriftliche Zeugnisse des Grauens zu verfassen, ist von erschütternder Menschlichkeit. Dass einige dieser Zeugnisse auf die Nachwelt kamen, damit rechneten die Nationalsozialisten nicht. Erstmals versammelt dieser Band alle erhaltenen neun Zeugnisse in deutscher Übersetzung und bettet sie mit ausführlichen Essays in den Entstehungszusammenhang ein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2020

Rezensentin Marie Luise Knott entdeckt in Pavel Polians Monografie mit Aufzeichnungen von Mitgliedern des Sonderkommandos Auschwitz Berichte von Salmen Gradowski, Abraham Levite u.a. sowie Briefe von Herman Strasfogel und Marcel Nadjari. Die Zeugnisse drehen sich laut Knott zum Beispiel um das "Grauen vor sich selbst". Dass die laut Rezensentin vor allem der historischen Aufarbeitung der Sonderkommandos und der Aufstandsversuche dienenden Texte nicht aus dem jiddischen Original, sondern aus der russischen Übersetzung ins Deutsche übertragen wurden, findet Knott unverständlich. Der "historische Auftrag" der Berichte scheint ihr dennoch in jedem Fall deutlich erkennbar.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.01.2020

Rezensent Stephan Lehnstaedt erinnert beklommen an die entsetzliche Aufgabe, die den Sonderkommandos in den Konzentrationslagern von der SS zugedacht war: Es waren jüdische Häftlinge selbst, die in den Gaskammern und Krematorien Dienst verrichten mussten. Der Geograf Pavel Polian hat alle bekannten Berichte zusammengetragen, die von Angehörigen der Kommandos selbst verfasst, versteckt oder vergraben wurden. Von Marcel Nadjari, Salmen Gradowski oder Lejb Langfuß. Einige von ihnen hat man erst 1980 entdeckt. Lehnstaedt ist nicht mit allen editorischen Entscheidungen Polians einverstanden, auch missfällt ihm mitunter der zynische Tonfall des Herausgebers. Doch im Zentrum des Buches stünden die Dokumente, betont der Rezensent, in ihnen offenbare sich eine Verzweiflung und zugleich Entschlossenheit, die sich dem Leser einbrenne.

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