Herausgegeben von Karl Heinz Bohrer. Die Kunst unserer Zeit entzieht sich in weiten Teilen dem Zugriff einer klassischen, das heißt werkorientierten Ästhetik, die letztlich auf der Auffassung von Kunst als Sprache und Text beruht. Dieter Mersch setzt - im Rückgriff vor allem auf Benjamin und Levinas - diesem Paradigma eine "performative Ästhetik" entgegen, die zwar auf zeitgenössische Phänomene der Kunst zugeschnitten ist, von dort aus aber den Bogen zurück zur "klassischen" Kunst schlägt und somit, im kritischen Dialog mit den avanciertesten Positionen der ästhetischen Theorie (Danto, Goodman), in nicht weniger als eine Theorie der Kunst von der Moderne her (mit den Exponenten Cage und Beuys) einmündet
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.11.2002
Ausgangspunkt von Merschs Untersuchung "Ereignis und Aura" ist für Rezensentin Michaela Ott seine Kritik an dem von Derrida in seiner 1967 erschienenen Grammatologie begründeten Primat von Schrift, Spur und Textualität. Wie Ott ausführt, macht Mersch demgegenüber Momente der Erfahrung geltend, die sich gerade deshalb aufdrängen, weil sie sich dem sprachlichen Zugriff entziehen. Diese Momente findet Mersch vor allem in der Praxis der Kunst, im Performativen, in dem für ihn das "Auratische" aufscheint, erläutert die Rezensentin. Mersch erinnere daran, dass nicht alles in Textur aufgehe, sondern wie beispielsweise das Bild in seinem Rätselcharakter davon unterschieden werden solle. Für Ott eine "wohltuende Unterhöhlung der häufig nurmehr selbstreferentiellen Dekonstruktionsartistik". Allerdings erscheint ihr Merschs Bestimmung des Auratischen der Kunst auch wieder metaphysisch. Kritik übt sie insbesondere an der fehlenden politischen Dimension von Merschs Ansatz. So wirft sie ihm vor, dass seine Ästhetik des Performativen erneut auf eine "theoretische Hierarchisierung der künstlerischen Ausdrucksformen" hinauslaufe und gerade jene Manifestationen ignoriere, die unter dem Zeichen des Performativen im öffentlichen Raum kritisch-politisch intervenieren. Als Beispiel nennt sie die Performances von Gomes-Peña, die auf die Tragödien an der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze verweisen: Das Performative mahne hier eine Leerstelle im politischen Diskurs und in der öffentlichen Aufmerksamkeit an. "Man sollte ihm", schließt die Rezensentin, "seinen politischen Anklagecharakter nicht nehmen durch Reauratisierung des Begriffs."
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