"Luxus ist der Dadaismus des Besitzens." Luxus - allein das Wort erzeugt vielfältige Vorstellungen: von teurem Schnickschnack, Überfluss und Verschwendung, von Reichtum und Komfort, Geltungskonsum und Statussymbolen. Und es provoziert offenbar klare Meinungen, denn Luxus wird zumeist entweder scharf verurteilt oder vehement verteidigt. Aber wissen die zahlreichen Kritiker und Apologeten des Luxus überhaupt, wovon sie reden? Es gibt nämlich keine Luxusforschung, die vor aller Bewertung systematisch zu bestimmen versucht, wann etwas Luxus ist. Daher steht die Antwort auf eine scheinbar einfache Frage noch aus. Sie lautet: Was ist Luxus? Lambert Wiesing leistet in seinem neuen Buch Pionierarbeit, denn er beantwortet diese Frage, und zwar mit dezidiert phänomenologischen Mitteln. Er zeigt, dass Luxus keine Eigenschaft von Dingen oder Handlungen sein kann, sondern durch eine private ästhetische Erfahrung entsteht: die Erfahrung des Besitzens von etwas, das zwar einen Zweck erfüllt, sich darin aber nicht erschöpft. Wird das Besitzen einer übertriebenen, überflüssigen oder irrational aufwendigen Sache von einem autonomen Subjekt als die eigensinnige Befreiung aus einer vereinnahmenden Herrschaft des Zweckrationalismus und Effizienzdenkens erlebt, so ist das - Luxus.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.02.2016
Uwe Justus Wenzel hat den Verdacht, mit dieser Lektüre selbst so eine Art Luxus zu betreiben. Wenn der Bildtheoretiker Lambert Wiesing darangeht, Luxus mit Adorno, Schiller und Kant als eine Art subversive, befreiende Selbstbegegnung zu definieren, erkennt Wenzel darin ein delikates, ja mitunter selbst subversives Unterfangen. Nicht Geld, sondern Sachkenntnis, nicht Ästhetizismus, sondern Enthusiasmus setzt der Autor dieser Erfahrung voraus, erläutert der Rezensent. Staunend über den Lehrreichtum des Buches, enttäuscht über den Mangel an konkreten Beispielen, folgt er dem Autor zu immer neuen Definitionsanläufen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.2015
Als Anstiftung zum Luxus liest Rezensent Thorsten Jantschek das Buch des Philosophen Lampert Wiesing. Wenn der Autor darangeht, den Luxus als existenzielle Reaktion auf die Vernunft auszuweisen, staunt Jantschek über die phänomenologisch feine und gut lesbare Entfaltung der These. Sogar Schiller und seine Vorstellung vom Homo ludens dürfen als Gewähr herhalten, erklärt der Rezensent. Zum Widerspruch fühlt Jantschek sich dennoch aufgefordert. Dann nämlich, wenn der Autor an zentraler Stelle ästhetische Erfahrung und Besitz zusammendenkt. Allerdings nur, um von Wiesing mit einer Pointe bestätigt zu werden: Der Besitz kennt kein interesseloses Wohlgefallen, anders das Eigentum.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…