Im Frühjahr 2021 war es einsam um Olaf Scholz, den Kanzlerkandidaten der SPD. Er selbst schien chancenlos, seine Partei im Niedergang. Ein halbes Jahr später saß er im Kanzleramt und Sozialdemokraten besetzten die drei höchsten Ämter des Staates. Wie konnte das passieren? Der Zeithistoriker Dietmar Süß erzählt, wie die SPD vom Auslaufmodell zum Wahlsieger wurde, und fragt, was dieses Comeback für die Zukunft der Partei und der Bundesrepublik insgesamt bedeutet. Dabei zeigt sich, auf welch tönernen Füßen der Erfolg bei der Bundestagswahl 2021 steht und wie groß die Herausforderungen für die politische Linke insgesamt sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2022
Rezensentin Mona Jaeger bleibt nach der Lektüre von Dietmar Süß' SPD-Buch "Der seltsame Sieg" ratlos. Denn der Augsburger Historiker liefert ihr gar nicht die im Titel versprochene Erklärung über den Sieg bei der Bundestagswahl und auch nicht, was das Comeback der SPD (wenn es denn überhaupt eines war) für Deutschland bedeutet. "Verdienstvoll" ist für Jaeger immerhin, dass Süß sich in den zehn Kapiteln Programm und Partei genau anschaut und das mit der nötigen Distanz. Gut lesbar analysiere er die Wahl und die Geschichte der SPD, die von der Volkspartei zur ländlichen "Rentnerpartei" geworden sei, weil sie, so Süß, sozialen Aufstieg und Gerechtigkeit miteinander verband, sich aber immer noch nicht davon erholt hat, über Hartz-IV gestolpert zu sein, weil "Streng dich an, dann wird aus dir was" heute nicht mehr den Wert der Vergangenheit besitzt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.10.2022
Wenn der Historiker Dietmar Süß auf die Lage der SPD blickt, dann erkennt Claus Leggewie in seiner nur online erschienenen Rezension die Sympathie, auch wenn er Olaf Scholz' Wahlsieg eher für einen Unfall zu halten scheint. Dass der Autor der Partei schmerzliche Korrekturen voraussagt, scheint ihm nur folgerichtig. Süß zufolge leide die SPD unter einer "Überlast der Geschichte", der politische Vereinigung von Aufsteigern und Angehängten gelinge ihr nicht mehr, und die Fortschritts- und Solidaritätsversprechen werden zwar noch rhetorisch hochgehalten, aber kaum noch eingelöst. Am Ende sieht Leggewie wieder Hoffnung aufkeimen, aber dafür müsste die Partei eine Demokratisierungsinitiative in Angriff nehmen und aufhören, die Welt von gestern zu beschwören.
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