Aus dem Englischen von Wieland Grommes. Bombay bildet den Rahmen für eine Metapher. Es ist die Stadt, in der Menschen ihren Sehnsüchten oder Hirngespinsten nachjagen und die Wirklichkeit und ihre tragischen Ironien, durchwürzt von magischen Offenbarungen, zu kosten bekommen. Sie erzeugt ihre eigene ästhetische Logik sowie ihre eigene spirituelle Verzweiflung, und ihre Stimmen sind so vielzählig wie verschieden. Dilip Chitre hat viele Jahre in Bombay gelebt. Von diesem Aussichtspunkt aus hat er das BombayQuartett komponiert, das aus vier verdichteten Erzählungen besteht, die man auch als Märchen, Fabeln oder Parabeln lesen kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2003
Der Autor gehört zu den indischen Autoren, die Martin Kämpchen zufolge besonders häufig bei internationalen Veranstaltungen "herumgereicht" werden, da Chitre nicht nur Schriftsteller, Essayist und Übersetzer, sondern auch Maler und Filmemacher ist. Erstmals liegen nun vier Erzählungen von Chitre vor, die die Geduld des Rezensenten wohl auf eine harte Probe gestellt haben. Den vier Geschichten ist der Handlungsort, nämlich Bombay, gemeinsam, berichtet Kämpchen, und die literarische Methode, ihr Thema assoziativ zu umkreisen, statt in eine lineare Handlung zu packen. Die Ausgangssituationen zumindest sind klar skizziert, hält Kämpchen fest, doch anschließend zerfaserten die Erzählungen durch Rückblenden, Nebenhandlungen und essayistische Einschübe. Zugleich mische Chitre "abgeschmackte psychedelische Einlagen", Sex und schwarze Magie darunter, die Kämpchen etwas derb oder zu grell erscheinen. Trotz hervorragender sprachlicher Einfälle und treffender kleiner Szenen mangelt es dem Autor entschieden an sprachlicher Disziplin, schließt Kämpchen, der auf viele Wiederholungen und Parallelismen gern verzichtet hätte.
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